Gesucht: ein Versuchskaninchen für die Reim-Schablone

Ein Kaninchen sitzt im warmen Lampenlicht auf einer Holzwerkbank vor einem beschriebenen Blatt Papier, daneben Bleistift und Lesebrille.

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Ich habe ein neues Werkzeug gebaut. Es ist fast fertig — und ich traue mich nicht, es herauszugeben.

Denn getestet hat es bisher genau einer: ich.

Wie es dazu kam

Die Bütt-Schablone kennt ihr. Sie hilft beim Aufbau einer Rede: Figur, roter Faden, Text. Für die Prosarede funktioniert sie gut.

Dann habe ich versucht, damit eine gereimte Rede zu schreiben. Nach einer halben Stunde habe ich aufgegeben.

Nicht weil die Schablone schlecht wäre. Sondern weil der Reim ein anderes Handwerk ist. Da zählt nicht nur der Gedanke, sondern auch der Takt, die Silben, das Reimschema und die Stelle, an der die Pointe sitzen muss. Dafür brauchte ich anderes Werkzeug.

Also habe ich die Reim-Schablone gebaut.

Was sie macht

Drei Dinge, und die sind mir wichtiger als alle Einzelheiten.

Erstens: Sie rechnet mit. Du sagst ihr, wie lang die Rede werden soll. Sie rechnet aus, wie viele Verse, Strophen und Pointen du dafür brauchst — und zeigt beim Schreiben, wo du stehst. Du siehst also jederzeit, ob du in der Zeit liegst oder ob dein Mittelteil eine Durststrecke hat.

Zweitens: Sie prüft, was man selbst überhört. Neben jedem Vers steht, wie viele Silben er hat, wie er endet und ob der Reim trägt. Das klingt nach Schule, ist aber der Unterschied zwischen „irgendwas stimmt hier nicht“ und „ich weiß genau, was“.

Drittens: Sie sagt dir, wo es hakt. In einer eigenen Spalte stehen die offenen Stellen. Nicht als vages Warnlicht, sondern im Klartext — etwa so:

„Vers 18 + 19: gesucht / gehn reimt sich nicht.“
„Vers 16 fehlt — Reimpartner zu Traum.“

Genau die Sachen, die man nachts um halb zwölf übersieht und drei Wochen später auf der Bühne merkt.

Dazu kommt das Übliche: das Reimlexikon mit rund 4.900 Reimgruppen ist fest eingebaut, Bühnenfigur und Ideenspeicher sind mit drin, es gibt einen Schreib-Timer und einen Countdown bis zum Auftritt. Und am Ende druckst du die Rede im Bühnen-Format aus.


Zwölf Fassungen in zwei Tagen

So ist sie entstanden — am 9. und 10. September, eine Fassung nach der anderen. Geplant war davon nichts. Ich habe geschrieben, gemerkt dass etwas fehlt, und es eingebaut.

Irgendwann kippte das. Ab der achten Fassung ging es nicht mehr darum, was das Werkzeug kann, sondern ob man es versteht. Erst erklärte sich jedes Prüfzeichen per Klick, dann jedes Feld, dann jeder Knopf.

Ein Werkzeug ist nicht fertig, wenn es funktioniert. Es ist fertig, wenn ein Fremder es ohne mich benutzen kann.

Und dann war da dieser eine Fehler, den ich euch nicht verschweigen will:

Die Schablone hat Doppelvokale als zwei Silben gezählt. See, Haar, Boot — und Saal. Ausgerechnet „Saal“, das Wort, das in jeder zweiten Büttenrede vorkommt, hatte bei mir plötzlich zwei Silben. Und weil daran die Reimprüfung hängt, war gleich das halbe Reimlexikon falsch. Es musste komplett neu erzeugt werden.

Gefunden habe ich das nur, weil ich damit gearbeitet habe. Und das führt mich zu dem, worum es mir heute eigentlich geht.


Ich suche ein Versuchskaninchen

Ich bin der schlechteste Prüfer, den dieses Werkzeug haben kann. Ich weiß, wo die Knöpfe sind. Ich weiß, wie alles gemeint ist. Ich stolpere über nichts, weil ich jeden Stein selbst hingelegt habe.

Wenn ich die Schablone jetzt einfach herausgebe, passiert das, was bei solchen Sachen immer passiert: Der erste Fremde setzt sich davor, versteht die Hälfte nicht, legt sie weg — und ich erfahre nie, warum.

Deshalb suche ich ein oder zwei Leute, die vor allen anderen damit arbeiten.

Du solltest Lust auf die gereimte Rede haben — ob du schon eine geschrieben hast oder es zum ersten Mal versuchst, ist mir gleich. Beides hilft mir, auf verschiedene Weise. Ein paar Abende Zeit über ein paar Wochen verteilt. Und die Bereitschaft, mir ehrlich zu sagen, wo es hakt. Lob nützt mir hier nichts.

Dafür bekommst du das Werkzeug als Erster und hast Einfluss darauf, wie es am Ende aussieht. Was dich stört, ändere ich. Und wenn du beim Schreiben hängst, reden wir darüber.

Keine Verpflichtung, kein Zeitdruck, keine Kosten. Wenn du nach drei Tagen merkst, dass es nichts für dich ist, sagst du das und wir sind quitt.

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Ein Satz genügt: „Ich probier’s.“


Warum die gereimte Rede ein anderes Handwerk ist als die Prosarede, steht hier: Reim-Schablone: dein Arbeitsplatz für die gereimte Rede

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