Vor ein paar Wochen habe ich aufgeschrieben, woran ich gerade arbeite. Ein Punkt stand ganz oben auf der Liste: eine Schablone für die gereimte Büttenrede.
Die liegt jetzt auf der Werkbank. Noch nicht fertig, aber weit genug, dass ich zeigen kann, worum es geht.
Warum die alte Schablone hier nicht reicht
Die Bütt-Schablone, die ihr kennt, ist für die Prosarede gebaut. Figur links, Rede in der Mitte, roter Faden rechts. Das funktioniert.
Beim Reim funktioniert es nicht mehr. Nicht weil die Schablone schlecht wäre — sondern weil der Reim ein anderes Tier ist. Er nimmt dir Arbeit ab und legt dir gleichzeitig Fesseln an.
Was der Reim mit dem Publikum macht
Das ist der Punkt, den die meisten unterschätzen. Sobald du zwei Zeilen gereimt hast, rechnet der Saal mit. Die Leute wissen nach vier Zeilen, wie dein Takt geht — und ab da hören sie mit, ob er stimmt.
Das ist ein Geschenk: Du bekommst eine Aufmerksamkeit geschenkt, die der Prosaredner sich erarbeiten muss. Die Leute warten auf das Reimwort. Sie beugen sich innerlich vor.
Und genau deshalb ist es gefährlich. Wenn du den Takt brichst, merkt es jeder. Auch die, die nicht wüssten, wie man es benennt — sie spüren nur, dass etwas gestolpert ist. Und dann zündet die Pointe nicht.
Vier Dinge, die die Schablone lösen muss
1. Das Reimschema festlegen, bevor du anfängst
Der Paarreim — zwei Zeilen, die sich reimen, dann zwei neue — ist in der Bütt der Standard, und das aus gutem Grund: Er ist im Saal am leichtesten zu hören. Kreuzreime sind kunstvoller und gehen bei Saalgeräusch unter.
Die Schablone legt das vorne fest, damit du nicht mittendrin das Muster wechselst, ohne es zu merken.
2. Den Takt sichtbar machen
Beim Schreiben am Tisch hört man den eigenen Takt nicht mehr — man liest ja schon zum zehnten Mal. Deshalb bekommt die Schablone eine Spalte, in der die Betonungen stehen. Wenn eine Zeile aus der Reihe tanzt, sieht man es, statt es überhören zu müssen.
Mein eigener Prüfgriff seit über vierzig Jahren: laut lesen und dabei mit dem Fuß mitwippen. Wo der Fuß stolpert, stimmt die Zeile nicht.
3. Die Pointe gehört auf das Reimwort
Das ist die wichtigste Regel der gereimten Rede, und sie wird am häufigsten verletzt.
Der Lacher sitzt am Ende der zweiten Zeile, auf dem Reimwort. Steht dort nur irgendein Wort, das sich zufällig reimt, verpufft alles davor. Steht dort das Wort, auf das die Pointe zuläuft, hast du den Saal.
Deshalb schreibt man eine gereimte Pointe rückwärts: Erst steht das Reimwort fest, dann baust du die Zeile davor darauf zu.
In der Schablone ist dafür eine eigene Zeile vorgesehen — das Pointenwort kommt zuerst hinein, der Rest danach.
4. Den Reimzwang abwehren
Die größte Gefahr überhaupt. Du suchst einen Reim auf „Rathaus“, findest „Spathaus“ nicht, nimmst „Badehaus“ — und auf einmal handelt deine Rede vom Schwimmbad, obwohl sie vom Bürgermeister handeln sollte.
Der Reim hat dich dann am Nasenring durch die Manege geführt. Das Publikum merkt das sofort: Es klingt bemüht, es klingt nach Mühe statt nach Witz.
Die Schablone hält deshalb das Thema die ganze Zeit sichtbar daneben. Nicht als Deko — als Kontrollinstanz. Wenn deine Zeile nicht mehr zum Thema passt, war es der falsche Reim, nicht das falsche Thema.
Wie weit ich bin
Der Aufbau steht, die Prüfspalten auch. Was noch fehlt, ist das, was eine Schablone erst brauchbar macht: dass sie sich beim Benutzen nicht im Weg steht. Das merkt man erst, wenn man selbst eine Rede damit schreibt — und genau das mache ich gerade.
Einen Termin nenne ich nicht. Ich arbeite Schicht, und ich mache lieber eine Schablone fertig, die taugt, als drei, die man nach zwanzig Minuten weglegt.
Und jetzt du
Wenn du gereimt schreibst oder es vorhast — woran hakt es bei dir?
- Findest du die Reime nicht, oder findest du zu viele und die falschen?
- Kommst du in den Takt und wieder heraus?
- Schreibst du die Pointe vorwärts oder rückwärts?
- Und was hat dich schon mal auf der Bühne eingeholt, weil es auf dem Papier noch gut aussah?
Schreib es in die Kommentare oder in die Community. Was ihr mir sagt, geht direkt in die Schablone ein — das ist der Sinn der Sache. Ich baue sie nicht für mich.


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