Kategorie: Anleitungen

Hier stelle ich dir die in der Community einegstellten Anleitungen vor, wie man Büttenreden erstellt.
Auch wo es Änderungen oder neue Anleitungen gibt.

  • In 23 Minuten durch die Werkstatt

    In 23 Minuten durch die Werkstatt

    Wenn mich jemand fragt, was die HumorWerkstatt ist, rede ich mich um Kopf und Kragen. Also habe ich mich hingesetzt und es einmal in Ruhe gezeigt — dreiundzwanzig Minuten, einmal durch alles hindurch.

    Du musst dich nirgends anmelden, um es anzusehen.

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    Was du in den 23 Minuten siehst

    • Was drin ist — und was nicht
    • Die beiden Häuser: die Community und die Cloud
    • Wie man mit den Schablonen arbeitet, der Reihe nach
    • Was du machst, wenn du am Text festhängst
    • Den Ideenspeicher
    • Wie man Mitglied wird — und wie man wieder aufhört

    Wenn du wenig Zeit hast: Der interessanteste Teil ist die Mitte, wo die Schablonen drankommen. Da sieht man am ehesten, ob das etwas für einen ist.

    Zwei Häuser auf einem Grundstück

    Das ist das Bild, das ich selbst benutze, weil es am schnellsten erklärt, wie das zusammenhängt.

    Die Community — das Vereinszimmer

    Der Treffpunkt. Hier wird geredet, gefragt, gezeigt, gelacht. Wer eine Frage hat, stellt sie hier. Wer etwas Schönes gefunden hat, wirft es hier rein.

    Es ist der Raum, den wir Büttenredner sonst nicht haben. Wir sitzen alle allein am Küchentisch, jeder für sich, und niemand klopft an und sagt: Zeig mal, was du hast.

    Die Cloud — die Werkstatt

    Hier liegt das Werkzeug. Das Witze-Archiv, das Reimlexikon, die Sprüche, Zitate, Redewendungen und Teekesselchen. Der Ideenspeicher. Der Bütt-Arbeitsplatz, an dem die Rede entsteht. Und die Filme, in denen ich erkläre, wie ich arbeite.

    Im Video gehe ich einmal durch beide Häuser und zeige, wo was liegt. Das ist der Teil, den man schlecht beschreiben kann — man muss es sehen.

    Die Schablonen, der Reihe nach

    Eine Schablone ist kein Formular, das man ausfüllt. Sie ist ein Geländer — man kann sich daran festhalten, muss aber nicht.

    Im Video gehe ich sie in der Reihenfolge durch, in der ich selbst arbeite:

    • Zuerst die Bühnenfigur. Wer bist du da oben? Solange das nicht steht, steht gar nichts.
    • Dann das Thema und der Vorrat. Was willst du erzählen, und was hast du dazu schon gesammelt?
    • Dann der Ablauf. Entree, Hauptteil, Schluss, Zugaben — und die Überleitungen dazwischen.
    • Und erst dann der Text.

    Die meisten fangen beim Text an. Das ist der Grund, warum es so oft klemmt. Warum das so ist, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

    Wenn du festhängst

    Das passiert jedem. Man sitzt an einer Stelle, es geht nicht weiter, und je länger man draufschaut, desto zäher wird es.

    Dafür gibt es in der Werkstatt die Experten — Leute, die schon lange dabei sind und sich bereit erklärt haben, angesprochen zu werden.

    Das ist kein Lehrer, der etwas korrigiert. Das ist jemand, der an derselben Stelle auch schon gesessen hat und dir sagt, was ihm damals geholfen hat. Manchmal ist es ein einziger Satz, und der Knoten platzt.

    Der Ideenspeicher

    Der Teil, den ich selbst am meisten benutze — und der, den ich am längsten nicht hatte.

    Die guten Einfälle kommen nie am Schreibtisch. Sie kommen im Bus, an der Kasse, kurz vorm Einschlafen. Der Ideenspeicher läuft im Browser, auch auf dem Handy. Du tippst den Einfall ein, gibst ihm ein Schlagwort — und Monate später findest du ihn wieder.

    Warum das Schlagwort der wichtigste Teil ist, steht in einem eigenen Beitrag.

    Mitglied werden — und wieder aufhören

    Den letzten Teil des Videos habe ich bewusst mit hineingenommen, obwohl er unbequem ist.

    Vierzehn Tage kostenlos, danach acht Euro im Monat oder achtzig im Jahr. Der Kauf läuft über Digistore24, danach bekommst du deine Zugänge.

    Und dann erkläre ich, was zu tun ist, wenn jemand wieder aufhören will. Zwei Dinge sind dabei wichtig, und beide stehen auch bei den Häufigen Fragen:

    • Heb dir die Bestätigungs-E-Mails auf. Damit kündigst du selbst, ohne mich fragen zu müssen.
    • Die Kündigung in der Community beendet nicht das Abo. Das sind zwei getrennte Dinge — und daran denkt fast niemand.

    Außerdem: Sichere dir vorher deine Texte und Notizen aus der Cloud. Bei einer Kündigung werden sie gelöscht, und es wäre schade um die Arbeit.

    Ich weiß, dass man so etwas ungern erzählt. Aber ich möchte, dass jemand bei mir bleibt, weil es ihm etwas bringt — nicht, weil er nicht wieder rauskommt.


    Wenn du nach den 23 Minuten neugierig geworden bist: Vierzehn Tage kannst du dir alles in Ruhe ansehen, ohne dass etwas passiert.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Der Bütt-Arbeitsplatz: alles an einem Tisch

    Der Bütt-Arbeitsplatz: alles an einem Tisch

    Jahrelang habe ich meine Reden in einem Textprogramm geschrieben. Der Ordner mit den Zetteln lag daneben, die Ideen auf dem Küchentisch, und die Frage, wer da oben eigentlich redet, hatte ich irgendwann im Kopf — oder eben nicht.

    Dann geht das los: Text schreiben, aufstehen, Ordner holen, blättern, nichts finden, weiterschreiben. Nach dem dritten Mal lässt man es und schreibt eben ohne.

    Ein Vorrat, den man beim Schreiben nicht in Reichweite hat, wird nicht benutzt. Das ist der Satz, um den sich in der Werkstatt alles dreht — und der Grund, warum es den Bütt-Arbeitsplatz gibt.

    Drei Spalten, ein Bildschirm

    Links steht, wer redet. In der Mitte entsteht die Rede. Rechts steht, wohin sie soll. Kein Hin- und Herklicken mehr.

    Erst der Kopf: Titel, Termin, Länge

    Ein Arbeitstitel — der begleitet das ganze Projekt und wird beim Speichern zum Ordnernamen in der Cloud. Dazu dein Name und ein Zieldatum mit Countdown. Unbequem, aber ehrlich; ich brauchte solche Fristen selbst immer.

    Dann die Länge: Kurz etwa 8 Minuten, Mittel etwa 11, Lang etwa 15. Danach richten sich die Zähler darunter. Bei „Mittel“ steht dort zum Beispiel:

    • 0 / 1100 Wörter
    • 0 / 18 Pointen
    • geschätzte Redezeit

    Achtzehn Pointen auf elf Minuten. Das ist kein Gesetz, aber es ist ein ehrlicher Maßstab. Wer beim Schreiben sieht, dass er bei vier steht, weiß Bescheid — und zwar am Küchentisch und nicht im Saal.

    Der Wecker, den ich am meisten benutze

    Ganz oben sitzt ein kleiner Zeitgeber: 25, 40 oder 60 Minuten — oder eine Zahl, die du selbst einträgst. Start drücken, schreiben. Am Ende meldet er sich.

    Das klingt nach Kleinigkeit und ist keine. Ich bin Schichtarbeiter. Wenn ich nach der Spätschicht noch eine Stunde habe, ist die schneller weg, als man denkt — oder ich sitze um halb drei immer noch da. Eine feste Zeit vorher festzulegen ist die einfachste Art, beides zu vermeiden.

    Links: wer bist du da oben?

    Oben links steht deine Bühnenfigur. Die legst du einmal an, dann erscheint sie hier von allein:

    • Name, Alter und Lebensphase, Beruf oder Rolle, Herkunft
    • In einem Satz: Wer ist diese Figur?
    • Drei Eigenschaften
    • Was ist ihr wichtig im Leben?
    • Worüber regt sie sich auf?

    Die letzte Frage ist die wichtigste. Aus ihr kommen die Themen. Wenn du beim Schreiben ins Stocken gerätst, schaust du nach links und weißt wieder, wer da spricht.

    Darunter liegen vier Karten zum Auf- und Zuklappen.

    Notizen

    Ein Feld für alles, was dir nebenbei einfällt und noch nirgends hingehört.

    Meine Witze

    Was du im Witze-Board nach Entree, Hauptteil, Schluss und Zugaben sortiert hast, steht hier — nach Teilen getrennt, mit Anzahl. Anklicken zum Lesen, dann „→ in Text einfügen“, und der Witz landet am Ende des passenden Abschnitts.

    Es wird nichts überschrieben, es wird angehängt. Du kannst also nichts kaputtmachen.

    Whiteboard

    Hast du deinen Ablauf vorher mit Klebezetteln skizziert, erscheinen die Punkte hier — von oben nach unten, nummeriert. Auch die übernimmst du einzeln in den passenden Abschnitt. So wird aus der Skizze Schritt für Schritt die geschriebene Bütt.

    Ideenspeicher

    Ganz unten die Zettel aus deinem Ideenspeicher: Gags, Beobachtungen, Sprüche, alles, was du übers Jahr gesammelt hast. Oben ein Suchfeld — Stichwort eintippen, Zettel anklicken, und dann wählst du, in welchen Abschnitt er soll.

    Das ist die Stelle, an der aus dem Sammeln endlich etwas wird.

    Die Mitte: da entsteht die Rede

    Vier Abschnitte, jeder mit einem Richtwert und einem Satz, der dich daran erinnert, was er leisten soll.

    Entree · etwa 10 Prozent

    Begrüßen, gern mit einem ersten Gag. Sagen, wer du bist. Das Thema anwerfen — am besten mit einer Frage, die du später beantwortest. Kurz halten.

    Hauptteil

    Hier steht die Geschichte. Brauchst du mehr als einen, legst du mit einem Klick Hauptteil 2 und 3 an.

    Schluss · etwa 15 Prozent

    Auflösen, die stärkste Pointe bringen, elegant von der Bühne gehen. Ende mit Schwung, nicht mit Gestammel.

    Zugabe · die Reserve

    Zwei, drei Konter- oder Notfallwitze. Für den Fall, dass es hakt — oder dass ein Vorredner deinen Gag schon gebracht hat. Zur Redezeit zählen sie nicht.

    Diesen letzten Kasten halte ich für den unterschätztesten. Wer schon einmal in der Bütt stand und gemerkt hat, dass der vor ihm dieselbe Pointe hatte, weiß, warum.

    Zwei Kleinigkeiten, die viel ausmachen

    • Setz hinter jede Pointe ein Doppelkreuz #. Dann wird sie gezählt. Du siehst schwarz auf weiß, wie viele Pointen in deiner Rede stecken — und ob die Mitte durchhängt.
    • Zwischen den Teilen liegen Überleitungs-Felder. Die kurze Brücke von einem Gag zum nächsten. Kurz und knackig. Im fertigen Manuskript stehen sie an der richtigen Stelle.

    Jeder Abschnitt hat außerdem ein eigenes Notizfeld — nur für dich, es kommt nicht ins Manuskript.

    Rechts: der rote Faden

    Hier hältst du pro Abschnitt in zwei Sätzen fest: Was passiert hier? Wohin steigert sich die Geschichte?

    Das ist die Antwort auf das Problem, über das ich an anderer Stelle geschrieben habe — dass die meisten Reden in der Mitte einschlafen. Wenn daneben steht, wohin es gehen soll, passiert das seltener.

    Speichern, drucken, weitermachen

    Zuerst die beruhigende Nachricht: Deine Arbeit wird automatisch im Browser gesichert. Ein versehentlich geschlossenes Fenster kostet dich nichts.

    • In meiner Cloud speichern — legt die Rede unter „Meine Texte / [Arbeitstitel]“ als Word-Datei ab. Die kannst du dort anklicken und im Editor weiterschreiben.
    • Projekt sichern / Projekt öffnen / Aus der Cloud öffnen — nimmt alles mit: Text, Bühnenfigur, roten Faden und die sortierten Witze. Damit verwaltest du mehrere Bütten getrennt oder arbeitest am anderen Gerät weiter.
    • Im Bühnen-Format drucken — nicht irgendein Ausdruck, sondern eine Fassung, die man auf der Bühne auch lesen kann. Auch als PDF.
    • Als Textdatei speichern und Text kopieren — wenn du woanders weiterarbeiten willst.

    Was der Arbeitsplatz nicht macht

    Er schreibt dir keine Rede.

    Er nimmt dir das Suchen ab, das Blättern und das Aufstehen. Er sorgt dafür, dass dein Vorrat in Reichweite liegt, dass du siehst, wer da redet, und dass du merkst, wenn die Mitte dünn wird.

    Das Schreiben bleibt deine Arbeit. Aber du machst sie an einem Tisch statt an vieren.


    Der Bütt-Arbeitsplatz gehört zur HumorWerkstatt, zusammen mit dem Witze-Archiv, dem Reimlexikon, dem Ideenspeicher und dem Werkzeug für die Bühnenfigur. Vierzehn Tage kannst du dir alles kostenlos ansehen.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Über fünf Stunden Video: was in der Werkstatt zu sehen ist

    Über fünf Stunden Video: was in der Werkstatt zu sehen ist

    „Was ist da eigentlich drin für meine acht Euro?“ — die Frage höre ich am häufigsten. Also zeige ich es dir.

    Die Werkstatt hat drei Teile: die Werkzeuge, das Archiv und die Leute. Und dazu siebenundfünfzig kurze Filme, zusammen über fünf Stunden, in denen ich erkläre, wie ich arbeite. Um die geht es hier.

    Zum Anfang: Wie funktioniert das hier?

    Sieben Filme, zusammen anderthalb Stunden.

    Kein Inhalt zum Reden schreiben, sondern schlicht: Wo finde ich was? Wie stelle ich eine Frage? Wo liegt das Archiv, wo der Ideenspeicher?

    Ich habe das gemacht, weil ich selbst nichts mehr hasse, als in einer neuen Software herumzuirren und mich zu dumm zu fühlen. Das soll dir hier nicht passieren.

    Reden schreiben, von vorn

    Einundzwanzig Filme, eine gute Stunde. In fünf Abschnitten.

    Bühnenhumor verstehen

    • Wer steht hier vor dir?
    • Willkommen und dein Weg
    • Drei Bühnenformen
    • Warum wir lachen
    • Deine Bühnenpersönlichkeit

    Ideen finden

    • Der Blick des Komikers
    • Themen sammeln
    • Was ist DEIN Thema?
    • Zielgruppe und Anlass

    Die Mechanik der Pointe

    • Setup und Pointe
    • Inkongruenz
    • Das eine starke Wort
    • Kürzen, kürzen, kürzen

    Deine ersten Texte

    • Die kurze Nummer aufbauen
    • Vom Einfall zum Skript
    • Überarbeiten
    • Reim und Rhythmus

    Zum ersten Mal laut

    • Laut lesen und hören
    • Lampenfieber verstehen
    • Der erste Mini-Auftritt
    • Abschluss und Ausblick

    Das ist der Weg, den ich selbst gegangen bin — nur ohne die zwanzig Jahre Umwege.

    Und dann die Figur

    Siebenundzwanzig Filme, zweieinhalb Stunden.

    Hier geht es um das, was ich für den wichtigsten Teil halte: wer bist du da oben? Persona, Macken, ein Lebenslauf für eine Person, die es nicht gibt. Kostüm und Markenzeichen. Aus dem Einfall wird eine Figur, die man wiedererkennt.

    Warum das mehr Filme sind als zum Schreiben selbst? Weil ein guter Text mit der falschen Figur nicht funktioniert. Umgekehrt schon eher.

    Wie so ein Film aussieht

    Nehmen wir Der Blick des Komikers, vier Minuten.

    Darin geht es darum, dass Komik selten erfunden und meistens gefunden wird. Wie Beobachtungskomik funktioniert. Warum „es ist lustig, weil es wahr ist“ der wichtigste Satz überhaupt ist. Und wie du einen Einfall festhältst, bevor er wieder weg ist.

    Dazu gibt es einen Übungszettel zum Ausdrucken. Vier Minuten Film, ein Zettel — und danach schaust du drei Tage lang anders aus dem Fenster.

    Warum die Filme so kurz sind

    Drei bis fünf Minuten. Das ist Absicht.

    Ich bin Schichtarbeiter. Ich weiß, wie es ist, wenn man nach der Spätschicht noch eine halbe Stunde hat und schon beim Zuschauen die Augen zufallen. Ein Film von vierzig Minuten wird nie angefangen. Ein Film von vier Minuten schon.

    Und wichtiger: Nach vier Minuten sollst du etwas tun, nicht weiterschauen. Zwei Stunden zuzuschauen bringt niemandem etwas, der nachher in der Bütt steht.

    Dazu kommt noch

    • Die Aufzeichnungen von dem, was wir live gemacht haben — thematisch sortiert, zum in Ruhe Nachschauen. Daran arbeite ich gerade, das wächst.
    • Eine YouTube-Fundgrube: gesammelte Filme über die deutsche Sprache und ihre Merkwürdigkeiten, die man gut verwenden kann.

    Was das nicht ist

    Es ist keine Schule.

    Es gibt keinen Stundenplan, keine Termine, an denen du dabei sein musst, keine Aufgaben, die jemand einsammelt, keine Prüfung, kein Zertifikat und niemanden, der dich bewertet.

    Du schaust, was du willst, wann du willst und in welcher Reihenfolge du willst. Wenn du mit der Figur anfangen möchtest statt mit dem Schreiben — mach das.

    Und wenn du gar nichts anschaust und nur im Archiv stöberst, ist das auch in Ordnung. Alles ist in den acht Euro drin. Es gibt keine Zusatzpakete und nichts, was extra kostet.


    Vierzehn Tage kannst du dir alles kostenlos ansehen, bevor du dich entscheidest. Schau rein, mach dir ein Bild, und entscheide dann.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Sammeln kann jeder. Wiederfinden ist die Kunst.

    Sammeln kann jeder. Wiederfinden ist die Kunst.

    Meine besten Einfälle kommen mir nie am Schreibtisch. Sie kommen in der Badewanne, auf der Toilette, kurz vorm Einschlafen — immer genau dort, wo ich nichts zum Schreiben habe.

    Dann sage ich mir: Das merkst du dir. Und zwei Stunden später ist es weg.

    Der Ordner, über den ich heute noch den Kopf schüttle

    Ich habe jahrzehntelang gesammelt. Alles kam in einen Ordner — Zeitungsschnipsel, Bierdeckel, abgerissene Zettel, Notizen auf Rückseiten von Einkaufslisten. Hunderte, wenn nicht tausende.

    Unchronologisch. Unsystematisch. Einfach abgeheftet.

    Wenn ich diesen Ordner heute aufschlage, frage ich mich: Welches Pferd hat mich geritten, das nicht von Anfang an zu sortieren? Da liegt gutes Material drin. Ich finde es nur nicht.

    Und das ist der Punkt, um den es hier geht.

    Sammeln ist einfach. Wiederfinden ist die Arbeit.

    Jeder Redner sammelt. Das ist nicht das Problem. Das Problem kommt zwei Jahre später, wenn man vor der leeren Seite sitzt und denkt: Ich hatte doch mal was mit dem Amt. Wo war das nur?

    Ein Vorrat, den man nicht durchsuchen kann, ist kein Vorrat. Er ist Altpapier mit gutem Gewissen.

    Vier Dinge, die ein Einfall braucht

    Egal ob du das mit einem Karteikasten machst, einem Heft oder am Rechner — es kommt auf diese vier Dinge an:

    1. Sofort erfasst. Nicht später, nicht wenn du zu Hause bist. Sofort. Was du nicht in dem Moment festhältst, in dem es dir einfällt, ist verloren.
    2. Ein Wort dazu. Amt. Ehe. Technik. Alter. Ein einziges Schlagwort reicht — aber ohne eines findest du den Zettel nie wieder.
    3. Woher es kam. „Gehört im Bus“, „am Küchentisch“, „Zeitung, Seite 4“. Zwei Wörter, die dir in zwei Jahren die ganze Situation zurückholen. Ohne sie steht da ein Satz, bei dem du nicht mehr weißt, was daran lustig war.
    4. Verbindungen. Das Wichtigste und das, was am meisten fehlt. Deine Beobachtung vom Online-Banking und die vom vergessenen Passwort gehören zusammen — aber nur, wenn du sie irgendwann miteinander verknüpfst. Aus zwei Einfällen wird so ein Absatz. Aus fünf eine Rede.

    Der Vorrat gehört dorthin, wo geschrieben wird

    Das ist der zweite Fehler, den ich lange gemacht habe: Die Sammlung lag an einem Ort, geschrieben habe ich an einem anderen.

    Also: Text schreiben, aufstehen, Ordner holen, blättern, nichts finden, weiterschreiben. Nach dem dritten Mal lässt man es und schreibt eben ohne.

    Ein Vorrat, den man beim Schreiben nicht in Reichweite hat, wird nicht benutzt. So einfach ist das.

    Was ich daraus gemacht habe

    In der HumorWerkstatt gibt es dafür den Ideenspeicher — einen Zettelkasten, der genau diese vier Dinge kann. Jeder Einfall bekommt seine Art (Idee, Gag, Beobachtung, Zitat), seine Schlagwörter, seine Quelle und sein Jahr. Und er lässt sich mit anderen verknüpfen.

    Es gibt eine Ansicht, in der man sieht, was mit was zusammenhängt — ein Netz aus Punkten und Linien. Da entdeckt man Verbindungen, an die man beim Aufschreiben nicht gedacht hat.

    Er läuft im Browser, also auch auf dem Handy und auf dem Tablet. Der Einfall in der Warteschlange ist damit gerettet, bevor er weg ist.

    Und das Wichtigste: Er sitzt direkt im Bütt-Arbeitsplatz. Während du an deiner Rede schreibst, ist er in der linken Spalte — kein Hin- und Herklicken, kein Suchen. Du schreibst, es klemmt, du schaust nach, du schreibst weiter.


    Fang trotzdem heute an zu sammeln, auch ohne all das. Ein Heft in der Jackentasche ist besser als der beste Speicher, den du nicht benutzt. Aber schreib das Schlagwort dazu. Bitte. Sonst geht es dir wie mir mit meinem Ordner.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.