Kategorie: Stoff finden

Woher die Ideen kommen: Themen, Teekesselchen, das Ideenheft.

  • An welchem Thema arbeitest du gerade?

    An welchem Thema arbeitest du gerade?

    Heute keine Anleitung. Heute eine Frage.

    An welchem Thema sitzt du gerade?

    Warum ich frage

    Der 11.11. ist nicht mehr weit. In den Vereinen wird jetzt geplant, und irgendwo sitzt gerade jemand und denkt: Ich muss langsam mal anfangen.

    Ich schreibe hier viel darüber, wie man es macht. Was ich dabei zu selten erfahre, ist, woran ihr tatsächlich arbeitet. Und das ist das Interessantere. Aus einem echten Thema lernt man mehr als aus jedem erfundenen Beispiel — auch ich.

    Mach es dir leicht

    Es muss nichts Ausgearbeitetes sein. Ein Satz reicht. Zum Beispiel:

    • „Die neue Umgehungsstraße, die seit drei Jahren nicht fertig wird.“
    • „Ich mache den Hausmeister vom Sportverein.“
    • „Irgendwas mit Handy und Enkelkindern, ich weiß noch nicht genau.“
    • „Dasselbe wie letztes Jahr, nur besser.“

    Alles vier sind brauchbare Antworten. Die letzte übrigens auch — die ist ehrlicher als die meisten.

    Auch „noch gar nichts“ ist eine Antwort

    Und zwar die häufigste. Wer um diese Jahreszeit noch ein leeres Blatt hat, ist in bester Gesellschaft. Ich habe in über vierzig Jahren selten im September schon gewusst, was ich im Februar erzählen würde.

    Wenn du also schreibst „keine Ahnung, mir fällt nichts ein“ — dann ist das keine Niederlage, das ist der Anfang. Und wenn du magst, erzähl dazu, was du schon verworfen hast. Oft steckt in dem, was man wegwirft, das Brauchbare.


    Was ich damit mache

    Nichts, was du nicht willst. Ich veröffentliche keine Rede von dir und klaue kein Thema — darauf gebe ich dir mein Wort.

    Aber ich lese mit. Und wenn ich bei mehreren dasselbe Problem sehe, schreibe ich darüber etwas, das euch weiterhilft. So sind die meisten Beiträge hier entstanden.

    Wenn jemand bei deinem Thema eine Idee hat, kommentiert er vielleicht. Das ist der eigentliche Grund für diese Frage — nicht dass ich es weiß, sondern dass die anderen es lesen.


    Also: Woran sitzt du gerade?

    Schreib es in die Kommentare oder in die Community. Ein Satz genügt.

  • 348 Wörter, mit doppeltem Boden

    348 Wörter, mit doppeltem Boden

    Jeder kennt das Spiel aus der Kindheit: „Mein Teekesselchen ist ein Tier — und mein Teekesselchen kann man auch anziehen.“ Und alle raten los.

    Was damals ein Kinderspiel war, ist auf der Bühne eines der zuverlässigsten Werkzeuge, die es gibt. Fachleute sagen Homonym dazu: ein Wort, das gleich klingt, aber zwei völlig verschiedene Dinge bedeutet.

    Das Problem ist nur: Wenn du eins brauchst, fällt dir keins ein.

    Warum einem nie eins einfällt

    Wir denken vom Wort zur Bedeutung. Man hört „Bank“ und denkt an Geld. So ist das Gehirn gebaut, und beim Zuhören ist das auch gut so.

    Beim Schreiben brauchst du es aber andersherum. Du hast ein Thema — das Amt, die Ehe, die Technik, der Verein — und suchst ein Wort, dessen zweite Bedeutung dorthin passt.

    Und rückwärts denkt kein Mensch. Deshalb sitzt man vor dem Blatt und weiß, dass es irgendwo eins geben müsste, aber es kommt nicht.

    Der Trick: nach der Bedeutung suchen, nicht nach dem Wort

    Genau deshalb liegt in der Werkstatt eine Sammlung von 348 Teekesselchen — und man kann darin nicht nur nach Wörtern suchen, sondern nach Bedeutungen.

    Du tippst nicht „Bank“ ein. Du tippst ein, worum es in deiner Rede geht:

    • „Geld“ — und bekommst alle Wörter, bei denen Geld eine der Bedeutungen ist
    • „Vogel“ — dasselbe für alles Gefiederte
    • „Musik“, „Amt“, „Tier“ — was immer dein Thema hergibt

    Der Treffer zeigt dir alle Bedeutungen des Wortes und darunter eine Gag-Idee zum Verdrehen. Die ist nicht zum Abschreiben gedacht, sondern als Startschuss — du baust sie auf dein Thema um.

    An drei Beispielen

    1 · Bank — die zum Sitzen, das Geldinstitut

    „Ich hab mein Leben lang auf die Bank gesetzt — und jetzt sitz ich da: auf der im Park, ohne einen Cent.“

    Der Anfang lenkt alle aufs Konto. Die Pointe kippt zur Parkbank. Dasselbe Wort, zwei Welten.

    2 · Schloss — der Prunkbau, das Türschloss

    „Meine Frau wollte immer in einem Schloss wohnen. Jetzt haben wir gleich drei — eins an der Haustür, eins am Keller, eins am Fahrrad.“

    Das Setup weckt das Märchen-Schloss, die Pointe liefert drei Vorhängeschlösser. Die Enttäuschung ist der Lacher.

    3 · Flügel — der Vogelflügel, der Konzertflügel

    „Am Flügel, sagten sie, würde ich abheben. Ich übe jetzt seit zehn Jahren — abgehoben ist bisher nur der Deckel.“

    Hier stecken sogar zwei Doppelsinne ineinander: „Flügel“ und „abheben“ zielen beide aufs Fliegen. Das Klavier bleibt am Boden.

    Die Regel, auf die es hinausläuft

    Such dir ein Wort, dessen zweite Bedeutung zu deinem Thema passt. Dann führst du zur ersten hin — und landest überraschend bei der zweiten.

    Der Witz entsteht nicht im Wort. Er entsteht im Umschwung: Du führst die Zuhörer bewusst in die eine Richtung und biegst im letzten Moment ab. Warum das im Kopf des Zuhörers funktioniert, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben.

    Wenn gar nichts kommt

    Dann gibt es in der Sammlung einen Knopf, den ich öfter drücke, als ich zugeben möchte: „Überrasch mich.“

    Ein zufälliges Wort. Manchmal passt es nicht. Und manchmal springt genau dabei etwas an, worauf man von selbst nie gekommen wäre. Das ist keine Faulheit, das ist Handwerk — man braucht ab und zu einen Anstoß von außen.

    Was ein Teekesselchen nicht kann

    Es trägt keine Rede.

    Ein Wortspiel ist ein Gewürz, keine Mahlzeit. Wer drei davon hintereinander bringt, wirkt angestrengt. Eins an der richtigen Stelle — meistens kurz vor dem Schluss, wo die stärkste Pointe hingehört — ist mehr wert als fünf im Hauptteil.

    Und noch etwas: Die Betonung entscheidet. Ob „bei der Bank“ oder „bei der Bank“ — das steht in keinem Text. Das entsteht erst im Mund. Deshalb: laut lesen, bevor du es für fertig hältst.


    Die Sammlung mit den 348 Teekesselchen liegt in der HumorWerkstatt, neben dem Witze-Archiv, dem Reimlexikon, den Sprüchen, Zitaten und Redewendungen. Vierzehn Tage kannst du dich kostenlos umsehen.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Sammeln kann jeder. Wiederfinden ist die Kunst.

    Sammeln kann jeder. Wiederfinden ist die Kunst.

    Meine besten Einfälle kommen mir nie am Schreibtisch. Sie kommen in der Badewanne, auf der Toilette, kurz vorm Einschlafen — immer genau dort, wo ich nichts zum Schreiben habe.

    Dann sage ich mir: Das merkst du dir. Und zwei Stunden später ist es weg.

    Der Ordner, über den ich heute noch den Kopf schüttle

    Ich habe jahrzehntelang gesammelt. Alles kam in einen Ordner — Zeitungsschnipsel, Bierdeckel, abgerissene Zettel, Notizen auf Rückseiten von Einkaufslisten. Hunderte, wenn nicht tausende.

    Unchronologisch. Unsystematisch. Einfach abgeheftet.

    Wenn ich diesen Ordner heute aufschlage, frage ich mich: Welches Pferd hat mich geritten, das nicht von Anfang an zu sortieren? Da liegt gutes Material drin. Ich finde es nur nicht.

    Und das ist der Punkt, um den es hier geht.

    Sammeln ist einfach. Wiederfinden ist die Arbeit.

    Jeder Redner sammelt. Das ist nicht das Problem. Das Problem kommt zwei Jahre später, wenn man vor der leeren Seite sitzt und denkt: Ich hatte doch mal was mit dem Amt. Wo war das nur?

    Ein Vorrat, den man nicht durchsuchen kann, ist kein Vorrat. Er ist Altpapier mit gutem Gewissen.

    Vier Dinge, die ein Einfall braucht

    Egal ob du das mit einem Karteikasten machst, einem Heft oder am Rechner — es kommt auf diese vier Dinge an:

    1. Sofort erfasst. Nicht später, nicht wenn du zu Hause bist. Sofort. Was du nicht in dem Moment festhältst, in dem es dir einfällt, ist verloren.
    2. Ein Wort dazu. Amt. Ehe. Technik. Alter. Ein einziges Schlagwort reicht — aber ohne eines findest du den Zettel nie wieder.
    3. Woher es kam. „Gehört im Bus“, „am Küchentisch“, „Zeitung, Seite 4“. Zwei Wörter, die dir in zwei Jahren die ganze Situation zurückholen. Ohne sie steht da ein Satz, bei dem du nicht mehr weißt, was daran lustig war.
    4. Verbindungen. Das Wichtigste und das, was am meisten fehlt. Deine Beobachtung vom Online-Banking und die vom vergessenen Passwort gehören zusammen — aber nur, wenn du sie irgendwann miteinander verknüpfst. Aus zwei Einfällen wird so ein Absatz. Aus fünf eine Rede.

    Der Vorrat gehört dorthin, wo geschrieben wird

    Das ist der zweite Fehler, den ich lange gemacht habe: Die Sammlung lag an einem Ort, geschrieben habe ich an einem anderen.

    Also: Text schreiben, aufstehen, Ordner holen, blättern, nichts finden, weiterschreiben. Nach dem dritten Mal lässt man es und schreibt eben ohne.

    Ein Vorrat, den man beim Schreiben nicht in Reichweite hat, wird nicht benutzt. So einfach ist das.

    Was ich daraus gemacht habe

    In der HumorWerkstatt gibt es dafür den Ideenspeicher — einen Zettelkasten, der genau diese vier Dinge kann. Jeder Einfall bekommt seine Art (Idee, Gag, Beobachtung, Zitat), seine Schlagwörter, seine Quelle und sein Jahr. Und er lässt sich mit anderen verknüpfen.

    Es gibt eine Ansicht, in der man sieht, was mit was zusammenhängt — ein Netz aus Punkten und Linien. Da entdeckt man Verbindungen, an die man beim Aufschreiben nicht gedacht hat.

    Er läuft im Browser, also auch auf dem Handy und auf dem Tablet. Der Einfall in der Warteschlange ist damit gerettet, bevor er weg ist.

    Und das Wichtigste: Er sitzt direkt im Bütt-Arbeitsplatz. Während du an deiner Rede schreibst, ist er in der linken Spalte — kein Hin- und Herklicken, kein Suchen. Du schreibst, es klemmt, du schaust nach, du schreibst weiter.


    Fang trotzdem heute an zu sammeln, auch ohne all das. Ein Heft in der Jackentasche ist besser als der beste Speicher, den du nicht benutzt. Aber schreib das Schlagwort dazu. Bitte. Sonst geht es dir wie mir mit meinem Ordner.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Ein Wort, zwei Bedeutungen

    Ein Wort, zwei Bedeutungen

    Mein Bekannter arbeitet bei der Bank. Mal sitzt er drauf, mal sitzt er drin.

    Das ist kein besonders raffinierter Witz. Aber er funktioniert — und zwar zuverlässig. Weil er eine der ältesten Mechaniken benutzt, die es gibt: Ein Wort, zwei Bedeutungen.

    Warum das so gut funktioniert

    Beim Zuhören entscheidet sich das Gehirn nach den ersten Worten für eine Bedeutung. „Er arbeitet bei der Bank“ — und im Kopf des Zuhörers steht schon ein Schalterraum, ein Anzug, ein Geldautomat.

    Der Lacher entsteht in dem Moment, in dem diese Entscheidung sich als falsch herausstellt. Nicht das Wortspiel ist komisch, sondern der Ruck, mit dem das Bild im Kopf umspringt.

    In der Witztechnik nennt man das Reframing — man setzt einen neuen Rahmen um dieselbe Sache. Das Wort bleibt gleich, die Welt drumherum ändert sich.

    Und noch etwas macht das Bank-Beispiel aus: Die Betonung. Wer „bei der Bank“ sagt statt „bei der Bank“, legt die Fährte schon aus. Das steht in keinem Text — das entsteht erst im Mund.

    Fünf Fundorte für Sprachfundstücke

    Wer einmal anfängt, darauf zu achten, findet überall etwas. Es lohnt sich, in diesen fünf Richtungen zu horchen:

    • Doppeldeutigkeiten. Wörter mit zwei Bedeutungen. „Er hat sein Konto überzogen — und seine Jacke gleich mit.“
    • Redewendungen, die man wörtlich nimmt. Fast jede wird komisch, sobald man sie ernst meint.
    • Zweideutiges, das durch Andeutung wirkt. Der Unterschied zwischen anzüglich und plump liegt darin, wie viel man ausspricht. Was der Zuhörer selbst denkt, ist immer lustiger als das, was man ihm sagt.
    • Versprecher und Buchstabendreher. Die ungewollten sind oft besser als die geplanten. Aufschreiben.
    • Wörter, die einfach komisch klingen. Manche Wörter sind es einfach. Man kann nicht erklären, warum — man merkt es nur.

    Das Ohr schärft sich

    Das Beste daran: Man muss dafür nichts erfinden. Die deutsche Sprache steckt voller schiefer Bilder, Sätze, die je nach Betonung das Gegenteil sagen, und Wörter, die zwei Dinge auf einmal meinen. Sie liegt einfach da.

    Man muss nur hinhören. Am Tresen, an der Kasse, im Wartezimmer. Und man muss es aufschreiben — sofort, nicht später. Was man nicht notiert, ist nach zwei Stunden weg.

    Nach ein paar Wochen hat man einen Vorrat. Und der Vorrat ist es, der einen durch die Session bringt — nicht der geniale Einfall am Schreibtisch.


    In der HumorWerkstatt sammeln wir solche Fundstücke gemeinsam — jeder wirft rein, was ihm aufgefallen ist, und dann wird daran gefeilt. Es gibt einen Ideenspeicher fürs Handy, damit unterwegs nichts verlorengeht. Vierzehn Tage kannst du dich kostenlos umsehen.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.