Autor: Michael Bethke

  • Was als Nächstes in der Werkstatt entsteht

    Was als Nächstes in der Werkstatt entsteht

    Eine Werkstatt ist nie fertig. Das ist keine Ausrede, das ist der Sinn der Sache — wer aufhört, Werkzeug nachzulegen, hat irgendwann eine Vitrine statt einer Werkstatt.

    Deshalb schreibe ich hier einmal auf, woran ich gerade arbeite und was in den nächsten Monaten dazukommen soll. Mit einer Einschränkung, die gleich an den Anfang gehört: Das sind Pläne, keine Termine. Ich arbeite Schicht, und was fertig wird, wird fertig, wenn es fertig ist. Ich sage lieber ehrlich „irgendwann“ als vollmundig „im Oktober“ und halte es dann nicht.

    Runden, bei denen wir zusammen arbeiten

    Das Meiste am Redenschreiben lernt man nicht aus einer Anleitung, sondern indem man jemandem über die Schulter schaut und selbst mitmacht. Dafür soll es feste Runden in der Community geben — per Zoom, zum Zuschauen und Mitreden.

    Wo kommen die Ideen her?

    Der wunde Punkt bei fast allen. Wir setzen uns zusammen und suchen gemeinsam Stoff — an einem echten Thema, nicht an einem ausgedachten. Wer will, bringt sein leeres Blatt mit.

    Wer bin ich da oben eigentlich?

    Eine Bütt braucht eine Figur. Der Bauer, die Putzfrau, der Schuldirektor, der besserwissende Nachbar — oder etwas ganz Eigenes. In dieser Runde geht es darum, wie so eine Figur entsteht und warum sie mehr trägt als der beste Einzelwitz.

    Pleiten, Pech und Pannen

    Meine liebste Idee. Ein Abend, an dem wir erzählen, was schiefgegangen ist: der Hänger mitten im Vortrag, der Witz, bei dem keiner gelacht hat, das Mikrofon, das ausfiel, der Zettel, der runterfiel. Nicht zum Trösten — zum Lernen. Aus einer misslungenen Rede nimmt man mehr mit als aus zehn gelungenen.


    Abende zu einzelnen Themen

    Dazu einzelne Abende, an denen wir uns eine Sache genauer ansehen:

    • Lampenfieber — was im Körper passiert, warum es nie ganz weggeht und was man trotzdem damit machen kann.
    • Ton und Licht — wie man ein Mikrofon hält, warum man nicht hineinpustet, und was man den Technikern vorher sagen sollte.
    • Auftreten — Stand, Blick, Pausen, Timing. Was man mit den Händen macht, wenn man nicht weiß, wohin damit.
    • Wie ein Witz entsteht — die Mechanik dahinter. Warum manche zünden und andere, die auf dem Papier besser aussehen, aber im Saal verpuffen.

    Keine Kurse, keine Prüfungen, keine Zertifikate. Runden, in denen wir gemeinsam an der Sache sitzen — jeder nimmt sich mit, was er brauchen kann.


    In der Werkstatt selbst

    Und dann ist da die Werkstatt in der Cloud, in der die Werkzeuge liegen. Zwei Sachen stehen dort momentan noch auf meiner Liste:

    Schablonen für gereimte Büttenreden

    Die Bütt-Schablone gibt es ja schon. Was fehlt, sind Schablonen für die gereimte Rede — der Aufbau ist ein anderer, das Timing auch, und der Reim macht Dinge schwerer, die in der Prosarede leicht sind. Daran sitze ich gerade.

    Das Witze-Archiv wächst weiter

    Das Archiv ist über Jahre entstanden und wird nie fertig sein. Es kommt regelmäßig Neues dazu, sortiert und auffindbar — damit man nicht sucht, sondern findet.


    Eins nach dem anderen

    Das ist eine lange Liste, und ich weiß, wie so etwas wirkt: als käme das alles nächsten Monat. Kommt es nicht.

    Ich arbeite nach wie vor im Schichtbetrieb. Die Werkstatt entsteht in den Stunden, die dazwischen übrig bleiben — nach der Schicht, an freien Nachmittagen, manchmal um halb zwei nachts, weil mir etwas eingefallen ist. Das ist keine Klage, das ist einfach die Lage.

    Also nehme ich mir eine Sache nach der anderen vor und mache sie fertig, bevor die nächste anfängt. Lieber eine Schablone, die wirklich funktioniert, als fünf halbe. Lieber eine online Live- Runde, die gut vorbereitet ist, als vier, bei denen ich improvisiere.

    Was fertig ist, sage ich euch. Bis dahin steht es hier als das, was es ist: ein Vorhaben.


    Was das kostet

    Nichts extra. Alles, was hier steht, kommt in die Werkstatt hinein und ist im Beitrag enthalten. Keine Zusatzpakete, keine Aufpreise, kein Kleingedrucktes. Wer Mitglied ist, hat es dabei.


    Eine Werkstatt ist keine Einbahnstraße

    Jetzt kommt der Teil, der mir am wichtigsten ist.

    Alles, was oben steht, ist meine Liste. Ich habe sie nach meinem Gefühl sortiert, an meinem Küchentisch, nach meiner Schicht. Das heißt aber nicht, dass sie die richtige Liste ist.

    Die HumorWerkstatt ist keine Einbahnstraße, in der ich vorne sende und alle anderen hinten empfangen. Ich bin nicht der Lehrer und ihr seid nicht die Klasse. Ich bin einer, der fast vierzig Jahre in der Bütt stand und über die Jahre einiges zusammengetragen hat — mehr nicht. Von euch kann ich genauso lernen wie ihr von mir.

    Deshalb: Jedes Mitglied kann und soll einbringen, was es sich wünscht. Bei den Inhalten genauso wie bei der Gestaltung.

    • Welche Runde fehlt dir? Wovon hättest du gern mehr?
    • Welches Werkzeug wünschst du dir in der Cloud — eine Schablone, eine Liste, eine Vorlage?
    • Was gehört ins Witze-Archiv, was du dort vermisst?
    • Was ist unübersichtlich, umständlich oder einfach unpraktisch? Sag es. Ich sehe das nicht mehr, ich sitze zu nah dran.
    • Und wenn du selbst etwas kannst, das die anderen brauchen könnten — dann zeig es. Der Abend gehört dir.

    Eine Community lebt nicht von dem, der sie aufgemacht hat. Sie lebt von denen, die drin sind. Wenn nur ich schreibe, ist es ein Blog mit Anmeldung. Wenn alle schreiben, ist es eine Werkstatt.

    Und so soll es sein — jetzt und in Zukunft.

    Also: Was davon würdest du zuerst brauchen? Und was fehlt ganz?

    Schreib es hier in die Kommentare, schick mir eine Nachricht — am liebsten aber direkt in der Community, damit die anderen mitreden können.

    Es ist deine Werkstatt genauso wie meine.

  • Warum die HumorWerkstatt jetzt auch auf YouTube ist

    Warum die HumorWerkstatt jetzt auch auf YouTube ist

    Einen Blog kann man aufmachen. Gefunden wird er deswegen nicht.

    Das ist die unbequeme Wahrheit hinter jeder neuen Website: Sie steht da, und niemand weiß es. Bei Google dauert es Monate, und auch dann findet einen nur, wer schon nach dem richtigen Wort sucht.

    Deshalb gibt es die HumorWerkstatt jetzt auch auf YouTube.

    Warum ausgerechnet dort

    YouTube ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Leute tippen dort ein, was sie wissen wollen — auch „Büttenrede schreiben“ oder „wie fange ich eine Rede an“.

    Das ist der Unterschied: Hierher muss man mich schon kennen. Dort kann man mich finden.

    Den Anfang macht ein Rundgang von dreiundzwanzig Minuten, in dem ich einmal alles zeige — die Werkzeuge, das Archiv, die Schablonen, den Ideenspeicher. Denselben, den du hier im Blog auch ansehen kannst.

    Warum das Video hier trotzdem von Vimeo kommt

    Das ist eine Entscheidung, über die ich länger nachgedacht habe, und ich erzähle sie offen.

    YouTube darf Werbung in meine Videos schalten, auch wenn ich nicht daran verdiene. Das steht so in den Bedingungen. Auf YouTube nehme ich das in Kauf — dafür werde ich dort gefunden.

    Aber wer schon hier ist, hat sich hierher durchgeklickt. Der soll sich in Ruhe ein Bild machen können, ohne dass zwischendurch jemand eine Autoversicherung verkauft und am Ende fremde Videos vorgeschlagen werden.

    Deshalb: draußen YouTube, drinnen Vimeo. Dieselbe Trennung wie bei allem anderen auch.

    Falls du magst

    Der Kanal fängt bei null an. Und YouTube zeigt ein Video nur dann jemand Neuem, wenn vorher ein paar Leute gezeigt haben, dass es etwas taugt.

    Wenn du also etwas beitragen willst, ohne einen Cent auszugeben:

    • Abonnieren. Bei einem neuen Kanal zählt jeder Einzelne mehr, als man denkt.
    • Ein Stück weit zuschauen. YouTube misst die Verweildauer — fünf Minuten sind mehr wert als hundert kurze Klicks.
    • Einen ehrlichen Kommentar dalassen. Auch einen kritischen. Der hilft mehr als ein Daumen hoch.

    Und wenn dir jemand einfällt, der schon lange von der Bühne redet und sich nicht traut: schick ihm den Link.


    Die Videos für Mitglieder bleiben, wo sie sind — in der Werkstatt, ohne Werbung, ohne fremde Vorschläge. Am Umfang ändert sich nichts, es kommt nur ein Fenster nach draußen dazu.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • In 23 Minuten durch die Werkstatt

    In 23 Minuten durch die Werkstatt

    Wenn mich jemand fragt, was die HumorWerkstatt ist, rede ich mich um Kopf und Kragen. Also habe ich mich hingesetzt und es einmal in Ruhe gezeigt — dreiundzwanzig Minuten, einmal durch alles hindurch.

    Du musst dich nirgends anmelden, um es anzusehen.

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    Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Vimeo (öffnet in neuem Tab).

    Zum Abspielen bitte einmal auf das graue Feld klicken — erst danach wird das Video von Vimeo geladen. Das ist Absicht: Vorher gehen keine Daten von dir dorthin.

    Was du in den 23 Minuten siehst

    • Was drin ist — und was nicht
    • Die beiden Häuser: die Community und die Cloud
    • Wie man mit den Schablonen arbeitet, der Reihe nach
    • Was du machst, wenn du am Text festhängst
    • Den Ideenspeicher
    • Wie man Mitglied wird — und wie man wieder aufhört

    Wenn du wenig Zeit hast: Der interessanteste Teil ist die Mitte, wo die Schablonen drankommen. Da sieht man am ehesten, ob das etwas für einen ist.

    Zwei Häuser auf einem Grundstück

    Das ist das Bild, das ich selbst benutze, weil es am schnellsten erklärt, wie das zusammenhängt.

    Die Community — das Vereinszimmer

    Der Treffpunkt. Hier wird geredet, gefragt, gezeigt, gelacht. Wer eine Frage hat, stellt sie hier. Wer etwas Schönes gefunden hat, wirft es hier rein.

    Es ist der Raum, den wir Büttenredner sonst nicht haben. Wir sitzen alle allein am Küchentisch, jeder für sich, und niemand klopft an und sagt: Zeig mal, was du hast.

    Die Cloud — die Werkstatt

    Hier liegt das Werkzeug. Das Witze-Archiv, das Reimlexikon, die Sprüche, Zitate, Redewendungen und Teekesselchen. Der Ideenspeicher. Der Bütt-Arbeitsplatz, an dem die Rede entsteht. Und die Filme, in denen ich erkläre, wie ich arbeite.

    Im Video gehe ich einmal durch beide Häuser und zeige, wo was liegt. Das ist der Teil, den man schlecht beschreiben kann — man muss es sehen.

    Die Schablonen, der Reihe nach

    Eine Schablone ist kein Formular, das man ausfüllt. Sie ist ein Geländer — man kann sich daran festhalten, muss aber nicht.

    Im Video gehe ich sie in der Reihenfolge durch, in der ich selbst arbeite:

    • Zuerst die Bühnenfigur. Wer bist du da oben? Solange das nicht steht, steht gar nichts.
    • Dann das Thema und der Vorrat. Was willst du erzählen, und was hast du dazu schon gesammelt?
    • Dann der Ablauf. Entree, Hauptteil, Schluss, Zugaben — und die Überleitungen dazwischen.
    • Und erst dann der Text.

    Die meisten fangen beim Text an. Das ist der Grund, warum es so oft klemmt. Warum das so ist, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

    Wenn du festhängst

    Das passiert jedem. Man sitzt an einer Stelle, es geht nicht weiter, und je länger man draufschaut, desto zäher wird es.

    Dafür gibt es in der Werkstatt die Experten — Leute, die schon lange dabei sind und sich bereit erklärt haben, angesprochen zu werden.

    Das ist kein Lehrer, der etwas korrigiert. Das ist jemand, der an derselben Stelle auch schon gesessen hat und dir sagt, was ihm damals geholfen hat. Manchmal ist es ein einziger Satz, und der Knoten platzt.

    Der Ideenspeicher

    Der Teil, den ich selbst am meisten benutze — und der, den ich am längsten nicht hatte.

    Die guten Einfälle kommen nie am Schreibtisch. Sie kommen im Bus, an der Kasse, kurz vorm Einschlafen. Der Ideenspeicher läuft im Browser, auch auf dem Handy. Du tippst den Einfall ein, gibst ihm ein Schlagwort — und Monate später findest du ihn wieder.

    Warum das Schlagwort der wichtigste Teil ist, steht in einem eigenen Beitrag.

    Mitglied werden — und wieder aufhören

    Den letzten Teil des Videos habe ich bewusst mit hineingenommen, obwohl er unbequem ist.

    Vierzehn Tage kostenlos, danach acht Euro im Monat oder achtzig im Jahr. Der Kauf läuft über Digistore24, danach bekommst du deine Zugänge.

    Und dann erkläre ich, was zu tun ist, wenn jemand wieder aufhören will. Zwei Dinge sind dabei wichtig, und beide stehen auch bei den Häufigen Fragen:

    • Heb dir die Bestätigungs-E-Mails auf. Damit kündigst du selbst, ohne mich fragen zu müssen.
    • Die Kündigung in der Community beendet nicht das Abo. Das sind zwei getrennte Dinge — und daran denkt fast niemand.

    Außerdem: Sichere dir vorher deine Texte und Notizen aus der Cloud. Bei einer Kündigung werden sie gelöscht, und es wäre schade um die Arbeit.

    Ich weiß, dass man so etwas ungern erzählt. Aber ich möchte, dass jemand bei mir bleibt, weil es ihm etwas bringt — nicht, weil er nicht wieder rauskommt.


    Wenn du nach den 23 Minuten neugierig geworden bist: Vierzehn Tage kannst du dir alles in Ruhe ansehen, ohne dass etwas passiert.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • 348 Wörter, mit doppeltem Boden

    348 Wörter, mit doppeltem Boden

    Jeder kennt das Spiel aus der Kindheit: „Mein Teekesselchen ist ein Tier — und mein Teekesselchen kann man auch anziehen.“ Und alle raten los.

    Was damals ein Kinderspiel war, ist auf der Bühne eines der zuverlässigsten Werkzeuge, die es gibt. Fachleute sagen Homonym dazu: ein Wort, das gleich klingt, aber zwei völlig verschiedene Dinge bedeutet.

    Das Problem ist nur: Wenn du eins brauchst, fällt dir keins ein.

    Warum einem nie eins einfällt

    Wir denken vom Wort zur Bedeutung. Man hört „Bank“ und denkt an Geld. So ist das Gehirn gebaut, und beim Zuhören ist das auch gut so.

    Beim Schreiben brauchst du es aber andersherum. Du hast ein Thema — das Amt, die Ehe, die Technik, der Verein — und suchst ein Wort, dessen zweite Bedeutung dorthin passt.

    Und rückwärts denkt kein Mensch. Deshalb sitzt man vor dem Blatt und weiß, dass es irgendwo eins geben müsste, aber es kommt nicht.

    Der Trick: nach der Bedeutung suchen, nicht nach dem Wort

    Genau deshalb liegt in der Werkstatt eine Sammlung von 348 Teekesselchen — und man kann darin nicht nur nach Wörtern suchen, sondern nach Bedeutungen.

    Du tippst nicht „Bank“ ein. Du tippst ein, worum es in deiner Rede geht:

    • „Geld“ — und bekommst alle Wörter, bei denen Geld eine der Bedeutungen ist
    • „Vogel“ — dasselbe für alles Gefiederte
    • „Musik“, „Amt“, „Tier“ — was immer dein Thema hergibt

    Der Treffer zeigt dir alle Bedeutungen des Wortes und darunter eine Gag-Idee zum Verdrehen. Die ist nicht zum Abschreiben gedacht, sondern als Startschuss — du baust sie auf dein Thema um.

    An drei Beispielen

    1 · Bank — die zum Sitzen, das Geldinstitut

    „Ich hab mein Leben lang auf die Bank gesetzt — und jetzt sitz ich da: auf der im Park, ohne einen Cent.“

    Der Anfang lenkt alle aufs Konto. Die Pointe kippt zur Parkbank. Dasselbe Wort, zwei Welten.

    2 · Schloss — der Prunkbau, das Türschloss

    „Meine Frau wollte immer in einem Schloss wohnen. Jetzt haben wir gleich drei — eins an der Haustür, eins am Keller, eins am Fahrrad.“

    Das Setup weckt das Märchen-Schloss, die Pointe liefert drei Vorhängeschlösser. Die Enttäuschung ist der Lacher.

    3 · Flügel — der Vogelflügel, der Konzertflügel

    „Am Flügel, sagten sie, würde ich abheben. Ich übe jetzt seit zehn Jahren — abgehoben ist bisher nur der Deckel.“

    Hier stecken sogar zwei Doppelsinne ineinander: „Flügel“ und „abheben“ zielen beide aufs Fliegen. Das Klavier bleibt am Boden.

    Die Regel, auf die es hinausläuft

    Such dir ein Wort, dessen zweite Bedeutung zu deinem Thema passt. Dann führst du zur ersten hin — und landest überraschend bei der zweiten.

    Der Witz entsteht nicht im Wort. Er entsteht im Umschwung: Du führst die Zuhörer bewusst in die eine Richtung und biegst im letzten Moment ab. Warum das im Kopf des Zuhörers funktioniert, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben.

    Wenn gar nichts kommt

    Dann gibt es in der Sammlung einen Knopf, den ich öfter drücke, als ich zugeben möchte: „Überrasch mich.“

    Ein zufälliges Wort. Manchmal passt es nicht. Und manchmal springt genau dabei etwas an, worauf man von selbst nie gekommen wäre. Das ist keine Faulheit, das ist Handwerk — man braucht ab und zu einen Anstoß von außen.

    Was ein Teekesselchen nicht kann

    Es trägt keine Rede.

    Ein Wortspiel ist ein Gewürz, keine Mahlzeit. Wer drei davon hintereinander bringt, wirkt angestrengt. Eins an der richtigen Stelle — meistens kurz vor dem Schluss, wo die stärkste Pointe hingehört — ist mehr wert als fünf im Hauptteil.

    Und noch etwas: Die Betonung entscheidet. Ob „bei der Bank“ oder „bei der Bank“ — das steht in keinem Text. Das entsteht erst im Mund. Deshalb: laut lesen, bevor du es für fertig hältst.


    Die Sammlung mit den 348 Teekesselchen liegt in der HumorWerkstatt, neben dem Witze-Archiv, dem Reimlexikon, den Sprüchen, Zitaten und Redewendungen. Vierzehn Tage kannst du dich kostenlos umsehen.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Der Bütt-Arbeitsplatz: alles an einem Tisch

    Der Bütt-Arbeitsplatz: alles an einem Tisch

    Jahrelang habe ich meine Reden in einem Textprogramm geschrieben. Der Ordner mit den Zetteln lag daneben, die Ideen auf dem Küchentisch, und die Frage, wer da oben eigentlich redet, hatte ich irgendwann im Kopf — oder eben nicht.

    Dann geht das los: Text schreiben, aufstehen, Ordner holen, blättern, nichts finden, weiterschreiben. Nach dem dritten Mal lässt man es und schreibt eben ohne.

    Ein Vorrat, den man beim Schreiben nicht in Reichweite hat, wird nicht benutzt. Das ist der Satz, um den sich in der Werkstatt alles dreht — und der Grund, warum es den Bütt-Arbeitsplatz gibt.

    Drei Spalten, ein Bildschirm

    Links steht, wer redet. In der Mitte entsteht die Rede. Rechts steht, wohin sie soll. Kein Hin- und Herklicken mehr.

    Erst der Kopf: Titel, Termin, Länge

    Ein Arbeitstitel — der begleitet das ganze Projekt und wird beim Speichern zum Ordnernamen in der Cloud. Dazu dein Name und ein Zieldatum mit Countdown. Unbequem, aber ehrlich; ich brauchte solche Fristen selbst immer.

    Dann die Länge: Kurz etwa 8 Minuten, Mittel etwa 11, Lang etwa 15. Danach richten sich die Zähler darunter. Bei „Mittel“ steht dort zum Beispiel:

    • 0 / 1100 Wörter
    • 0 / 18 Pointen
    • geschätzte Redezeit

    Achtzehn Pointen auf elf Minuten. Das ist kein Gesetz, aber es ist ein ehrlicher Maßstab. Wer beim Schreiben sieht, dass er bei vier steht, weiß Bescheid — und zwar am Küchentisch und nicht im Saal.

    Der Wecker, den ich am meisten benutze

    Ganz oben sitzt ein kleiner Zeitgeber: 25, 40 oder 60 Minuten — oder eine Zahl, die du selbst einträgst. Start drücken, schreiben. Am Ende meldet er sich.

    Das klingt nach Kleinigkeit und ist keine. Ich bin Schichtarbeiter. Wenn ich nach der Spätschicht noch eine Stunde habe, ist die schneller weg, als man denkt — oder ich sitze um halb drei immer noch da. Eine feste Zeit vorher festzulegen ist die einfachste Art, beides zu vermeiden.

    Links: wer bist du da oben?

    Oben links steht deine Bühnenfigur. Die legst du einmal an, dann erscheint sie hier von allein:

    • Name, Alter und Lebensphase, Beruf oder Rolle, Herkunft
    • In einem Satz: Wer ist diese Figur?
    • Drei Eigenschaften
    • Was ist ihr wichtig im Leben?
    • Worüber regt sie sich auf?

    Die letzte Frage ist die wichtigste. Aus ihr kommen die Themen. Wenn du beim Schreiben ins Stocken gerätst, schaust du nach links und weißt wieder, wer da spricht.

    Darunter liegen vier Karten zum Auf- und Zuklappen.

    Notizen

    Ein Feld für alles, was dir nebenbei einfällt und noch nirgends hingehört.

    Meine Witze

    Was du im Witze-Board nach Entree, Hauptteil, Schluss und Zugaben sortiert hast, steht hier — nach Teilen getrennt, mit Anzahl. Anklicken zum Lesen, dann „→ in Text einfügen“, und der Witz landet am Ende des passenden Abschnitts.

    Es wird nichts überschrieben, es wird angehängt. Du kannst also nichts kaputtmachen.

    Whiteboard

    Hast du deinen Ablauf vorher mit Klebezetteln skizziert, erscheinen die Punkte hier — von oben nach unten, nummeriert. Auch die übernimmst du einzeln in den passenden Abschnitt. So wird aus der Skizze Schritt für Schritt die geschriebene Bütt.

    Ideenspeicher

    Ganz unten die Zettel aus deinem Ideenspeicher: Gags, Beobachtungen, Sprüche, alles, was du übers Jahr gesammelt hast. Oben ein Suchfeld — Stichwort eintippen, Zettel anklicken, und dann wählst du, in welchen Abschnitt er soll.

    Das ist die Stelle, an der aus dem Sammeln endlich etwas wird.

    Die Mitte: da entsteht die Rede

    Vier Abschnitte, jeder mit einem Richtwert und einem Satz, der dich daran erinnert, was er leisten soll.

    Entree · etwa 10 Prozent

    Begrüßen, gern mit einem ersten Gag. Sagen, wer du bist. Das Thema anwerfen — am besten mit einer Frage, die du später beantwortest. Kurz halten.

    Hauptteil

    Hier steht die Geschichte. Brauchst du mehr als einen, legst du mit einem Klick Hauptteil 2 und 3 an.

    Schluss · etwa 15 Prozent

    Auflösen, die stärkste Pointe bringen, elegant von der Bühne gehen. Ende mit Schwung, nicht mit Gestammel.

    Zugabe · die Reserve

    Zwei, drei Konter- oder Notfallwitze. Für den Fall, dass es hakt — oder dass ein Vorredner deinen Gag schon gebracht hat. Zur Redezeit zählen sie nicht.

    Diesen letzten Kasten halte ich für den unterschätztesten. Wer schon einmal in der Bütt stand und gemerkt hat, dass der vor ihm dieselbe Pointe hatte, weiß, warum.

    Zwei Kleinigkeiten, die viel ausmachen

    • Setz hinter jede Pointe ein Doppelkreuz #. Dann wird sie gezählt. Du siehst schwarz auf weiß, wie viele Pointen in deiner Rede stecken — und ob die Mitte durchhängt.
    • Zwischen den Teilen liegen Überleitungs-Felder. Die kurze Brücke von einem Gag zum nächsten. Kurz und knackig. Im fertigen Manuskript stehen sie an der richtigen Stelle.

    Jeder Abschnitt hat außerdem ein eigenes Notizfeld — nur für dich, es kommt nicht ins Manuskript.

    Rechts: der rote Faden

    Hier hältst du pro Abschnitt in zwei Sätzen fest: Was passiert hier? Wohin steigert sich die Geschichte?

    Das ist die Antwort auf das Problem, über das ich an anderer Stelle geschrieben habe — dass die meisten Reden in der Mitte einschlafen. Wenn daneben steht, wohin es gehen soll, passiert das seltener.

    Speichern, drucken, weitermachen

    Zuerst die beruhigende Nachricht: Deine Arbeit wird automatisch im Browser gesichert. Ein versehentlich geschlossenes Fenster kostet dich nichts.

    • In meiner Cloud speichern — legt die Rede unter „Meine Texte / [Arbeitstitel]“ als Word-Datei ab. Die kannst du dort anklicken und im Editor weiterschreiben.
    • Projekt sichern / Projekt öffnen / Aus der Cloud öffnen — nimmt alles mit: Text, Bühnenfigur, roten Faden und die sortierten Witze. Damit verwaltest du mehrere Bütten getrennt oder arbeitest am anderen Gerät weiter.
    • Im Bühnen-Format drucken — nicht irgendein Ausdruck, sondern eine Fassung, die man auf der Bühne auch lesen kann. Auch als PDF.
    • Als Textdatei speichern und Text kopieren — wenn du woanders weiterarbeiten willst.

    Was der Arbeitsplatz nicht macht

    Er schreibt dir keine Rede.

    Er nimmt dir das Suchen ab, das Blättern und das Aufstehen. Er sorgt dafür, dass dein Vorrat in Reichweite liegt, dass du siehst, wer da redet, und dass du merkst, wenn die Mitte dünn wird.

    Das Schreiben bleibt deine Arbeit. Aber du machst sie an einem Tisch statt an vieren.


    Der Bütt-Arbeitsplatz gehört zur HumorWerkstatt, zusammen mit dem Witze-Archiv, dem Reimlexikon, dem Ideenspeicher und dem Werkzeug für die Bühnenfigur. Vierzehn Tage kannst du dir alles kostenlos ansehen.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Über fünf Stunden Video: was in der Werkstatt zu sehen ist

    Über fünf Stunden Video: was in der Werkstatt zu sehen ist

    „Was ist da eigentlich drin für meine acht Euro?“ — die Frage höre ich am häufigsten. Also zeige ich es dir.

    Die Werkstatt hat drei Teile: die Werkzeuge, das Archiv und die Leute. Und dazu siebenundfünfzig kurze Filme, zusammen über fünf Stunden, in denen ich erkläre, wie ich arbeite. Um die geht es hier.

    Zum Anfang: Wie funktioniert das hier?

    Sieben Filme, zusammen anderthalb Stunden.

    Kein Inhalt zum Reden schreiben, sondern schlicht: Wo finde ich was? Wie stelle ich eine Frage? Wo liegt das Archiv, wo der Ideenspeicher?

    Ich habe das gemacht, weil ich selbst nichts mehr hasse, als in einer neuen Software herumzuirren und mich zu dumm zu fühlen. Das soll dir hier nicht passieren.

    Reden schreiben, von vorn

    Einundzwanzig Filme, eine gute Stunde. In fünf Abschnitten.

    Bühnenhumor verstehen

    • Wer steht hier vor dir?
    • Willkommen und dein Weg
    • Drei Bühnenformen
    • Warum wir lachen
    • Deine Bühnenpersönlichkeit

    Ideen finden

    • Der Blick des Komikers
    • Themen sammeln
    • Was ist DEIN Thema?
    • Zielgruppe und Anlass

    Die Mechanik der Pointe

    • Setup und Pointe
    • Inkongruenz
    • Das eine starke Wort
    • Kürzen, kürzen, kürzen

    Deine ersten Texte

    • Die kurze Nummer aufbauen
    • Vom Einfall zum Skript
    • Überarbeiten
    • Reim und Rhythmus

    Zum ersten Mal laut

    • Laut lesen und hören
    • Lampenfieber verstehen
    • Der erste Mini-Auftritt
    • Abschluss und Ausblick

    Das ist der Weg, den ich selbst gegangen bin — nur ohne die zwanzig Jahre Umwege.

    Und dann die Figur

    Siebenundzwanzig Filme, zweieinhalb Stunden.

    Hier geht es um das, was ich für den wichtigsten Teil halte: wer bist du da oben? Persona, Macken, ein Lebenslauf für eine Person, die es nicht gibt. Kostüm und Markenzeichen. Aus dem Einfall wird eine Figur, die man wiedererkennt.

    Warum das mehr Filme sind als zum Schreiben selbst? Weil ein guter Text mit der falschen Figur nicht funktioniert. Umgekehrt schon eher.

    Wie so ein Film aussieht

    Nehmen wir Der Blick des Komikers, vier Minuten.

    Darin geht es darum, dass Komik selten erfunden und meistens gefunden wird. Wie Beobachtungskomik funktioniert. Warum „es ist lustig, weil es wahr ist“ der wichtigste Satz überhaupt ist. Und wie du einen Einfall festhältst, bevor er wieder weg ist.

    Dazu gibt es einen Übungszettel zum Ausdrucken. Vier Minuten Film, ein Zettel — und danach schaust du drei Tage lang anders aus dem Fenster.

    Warum die Filme so kurz sind

    Drei bis fünf Minuten. Das ist Absicht.

    Ich bin Schichtarbeiter. Ich weiß, wie es ist, wenn man nach der Spätschicht noch eine halbe Stunde hat und schon beim Zuschauen die Augen zufallen. Ein Film von vierzig Minuten wird nie angefangen. Ein Film von vier Minuten schon.

    Und wichtiger: Nach vier Minuten sollst du etwas tun, nicht weiterschauen. Zwei Stunden zuzuschauen bringt niemandem etwas, der nachher in der Bütt steht.

    Dazu kommt noch

    • Die Aufzeichnungen von dem, was wir live gemacht haben — thematisch sortiert, zum in Ruhe Nachschauen. Daran arbeite ich gerade, das wächst.
    • Eine YouTube-Fundgrube: gesammelte Filme über die deutsche Sprache und ihre Merkwürdigkeiten, die man gut verwenden kann.

    Was das nicht ist

    Es ist keine Schule.

    Es gibt keinen Stundenplan, keine Termine, an denen du dabei sein musst, keine Aufgaben, die jemand einsammelt, keine Prüfung, kein Zertifikat und niemanden, der dich bewertet.

    Du schaust, was du willst, wann du willst und in welcher Reihenfolge du willst. Wenn du mit der Figur anfangen möchtest statt mit dem Schreiben — mach das.

    Und wenn du gar nichts anschaust und nur im Archiv stöberst, ist das auch in Ordnung. Alles ist in den acht Euro drin. Es gibt keine Zusatzpakete und nichts, was extra kostet.


    Vierzehn Tage kannst du dir alles kostenlos ansehen, bevor du dich entscheidest. Schau rein, mach dir ein Bild, und entscheide dann.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Warum übernommene Reden selten funktionieren

    Warum übernommene Reden selten funktionieren

    Ich habe am Anfang selbst fremde Reden gehalten. Ich hatte ja keine eigenen. Und ich habe später erlebt, wie eine von meinen bei jemand anderem auseinanderfiel.

    Der Abend im Nachbarlandkreis

    Ein Karnevalspräsident hat mich gefragt, ob er eine meiner Reden weitergeben darf. An einen Verein zwei Landkreise weiter. Ich hatte damit kein Problem — nimm sie, mach was draus.

    Aber ich war neugierig. Also bin ich hingefahren und habe mich in den Saal gesetzt.

    Ich war entsetzt.

    Die Rede war auseinandergenommen. Teile herausgerissen und in eine andere Bütt eingebaut. Die Reihenfolge umgestellt. Und die Gags, von denen ich genau wusste, dass sie sitzen — die verpufften einer nach dem anderen.

    Ich will niemandem einen Vorwurf machen. Die beiden hatten mich nie damit gesehen. Sie hatten nur den Text, weil der Präsident danach gefragt hatte. Sie wussten nicht, wo die Pause hingehört, welcher Satz die Vorbereitung für welchen ist, an welcher Stelle man den Kopf hebt.

    Sie hatten die Wörter. Sie hatten nicht die Rede.

    „Na ja, ging so.“

    Ich werde öfter gefragt, ob ich eine Rede herausgebe. Für eine Silberhochzeit, für ein Jubiläum. Ich sage meistens ja.

    Und wenn ich hinterher frage, wie es gelaufen ist, kommt fast immer derselbe Satz:

    Na ja. Ging so.

    Nicht schlecht. Nicht gut. Ging so. Und ich weiß dann schon, was passiert ist.

    Der Selbstversuch, den du machen kannst

    Such dir bei YouTube eine Rede, die dir gefällt. Schreib sie ab. Lern sie. Trag sie vor — vor dem Spiegel reicht.

    Du wirst feststellen, dass etwas völlig anderes dabei herauskommt als beim Original. Bei denselben Wörtern.

    Das ist keine Frage von Können. Das ist eine Frage davon, dass es nicht dein Text ist.

    Warum es kippt

    Wenn du eine Rede schreibst, schreibst du sie für dich. Für deine Stimme, dein Tempo, deine Art zu gucken. Und für die Figur, die du auf die Bühne bringen willst.

    Ein anderer Mensch hat eine andere Tonalität. Andere Emotionen schwingen mit. Bei denselben Sätzen entsteht etwas anderes — und meistens etwas Schwächeres, weil der Text gegen den Menschen arbeitet statt mit ihm.

    Man merkt es übrigens auch selbst. Man steht da oben und spricht anders, als man sprechen würde. Mit einer fertigen Rede aus dem Stand auf die Bühne zu gehen ist schwer. Sehr schwer.

    Das Publikum merkt es sofort

    Und zwar nicht, weil die Leute den Text von woanders kennen. Sondern weil man einem ansieht, ob er sich über seine Figur Gedanken gemacht hat.

    Wer eine fremde Rede übernimmt, hat oft nur eins: einen Text. Er ist froh, dass er überhaupt einen hat, und trägt ihn vor. Die Figur, die den Text erst tragen würde, ist gar nicht erst entstanden.

    Woher die Reden kommen — und was erlaubt ist

    Es gibt fertige Texte zu kaufen. Bücher bei den großen Händlern, einzelne Reden von zehn bis zweihundert Euro. Einen festen Preis gibt es nicht.

    Meine ehrliche Meinung zu den Textbüchern: die meisten sind langweilig. Da ist kein Esprit drin, kein Funke.

    Zur Rechtslage, so weit ich sie überblicke — ich bin kein Jurist:

    • Gekaufte Rede: Du musst den Autor beim Vortrag nicht nennen. Was der Verkäufer dir sonst noch vorschreibt, steht in seinen Bedingungen — lies sie.
    • Fremde Rede ohne zu fragen: Finger weg. Das ist eine Urheberrechtsverletzung, und die kann teuer werden.
    • Rede von einem Kollegen: Frag ihn. Einfach fragen. Die meisten sagen ja.

    Und wenn du gefragt hast und ja bekommen hast: Sag ihm hinterher, wie es gelaufen ist. Das kostet dich zwei Minuten und ist einfach eine Frage der Fairness. Ich freue mich jedes Mal darüber.

    Kann man eine fremde Rede umbauen?

    Ja. Wenn die Rechte geklärt sind, kann man alles anpassen — die Orte, die Namen, die Anspielungen, die ganze Perspektive.

    Auch das Geschlecht ist kein Hindernis. Ein Mann kann einen Text vortragen, der für eine Frau geschrieben wurde. Dann ist er auf der Bühne eben eine Frau, oder er karikiert es. Aber das ist Kür. Für den Anfang würde ich es nicht empfehlen — die Wahrscheinlichkeit, dass es schiefgeht, ist zu hoch.

    Die eigentliche Frage ist eine andere: Der Umbau dauert. Manchmal ziemlich lange. Und dann steht die Frage im Raum, ob dieselbe Zeit für eine eigene Rede nicht besser angelegt gewesen wäre.

    Warum Leute trotzdem danach greifen

    Zeitnot. Und, ehrlich gesagt, manchmal auch Bequemlichkeit. Es soll schnell gehen.

    Das sind keine guten Gründe, und man merkt es am Ergebnis. Nicht nur am Applaus — vor allem daran, wie man sich hinterher selbst fühlt.

    Drei Wochen vor der Sitzung und noch nichts

    Dann sage ich erst mal: Irgendwas ist vorher schiefgelaufen. Das gehört zur Wahrheit dazu.

    Und dann sage ich: Fang trotzdem nicht mit dem Text an. Fang mit der Figur an. Wer bist du da oben? Was will der Mensch? Was regt ihn auf?

    Mit einer Schablone für den Aufbau und einem Archiv zum Nachschlagen sind drei Wochen knapp, aber machbar. Ich habe es selbst schon so gemacht.

    Eine fremde Rede in drei Wochen so umzubauen, dass sie zu dir passt — das ist ehrlich gesagt nicht schneller.


    In der HumorWerkstatt gibt es beides: die Schablone, an der du deine eigene Rede entlangbaust, und ein Reden-Archiv, in dem Mitglieder ihre Texte hinterlegen. Wer dort eine Rede herunterlädt, löst automatisch eine Nachricht an den Autor aus — damit die beiden miteinander reden können. Genau so, wie es sein sollte.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Kann eine KI nicht meine nächste Büttenrede schreiben?

    Kann eine KI nicht meine nächste Büttenrede schreiben?

    Die Frage kommt inzwischen fast bei jedem Gespräch. Und weil ich sie selbst hatte, habe ich es ausprobiert.

    Nicht heimlich, sondern als Versuch: Geht das überhaupt? Kann eine Maschine eine komplette Büttenrede schreiben?

    Was dabei herauskam

    Ich habe zwei von den bekannten Programmen genommen und ihnen alles gegeben, was ich hatte. Das Thema. Was die Figur erleben soll. Wo es lustig werden muss.

    Nach ein paar Sekunden lag der Text da. Die Geschwindigkeit hat mich ehrlich beeindruckt. Da sitze ich sonst Wochen dran.

    Dann habe ich ihn gelesen.

    Und dachte: oh Gott.

    Es ist schwer zu beschreiben, was fehlte. Es war nichts falsch. Die Reime stimmten, der Aufbau ging in Ordnung. Es war nur — nichts. Kein Gefühl. Nichts, was einen vom Stuhl haut. Nichts, wo ich als Zuschauer gesagt hätte: Das war eine Rede.

    Es war einfach langweilig.

    Die Suppe ohne Gewürz

    Wenn ich es einem erklären müsste, würde ich es so sagen: Es ist wie eine Suppe, die man kocht und dann die Gewürze vergisst. Alles drin, was reingehört. Und trotzdem schmeckt es nach nichts.

    Was fehlt, ist die Emotion. Ein Rechner arbeitet mit null und eins, ja und nein. Die Zwischentöne kennt er nicht. Das, was zwischen den Zeilen passiert — im Denken, im Sprechen, im Handeln. Das kann bis heute nur ein Mensch.

    Was die Maschine wirklich gut kann

    Und jetzt muss ich fair sein, denn ich benutze sie selbst.

    Sie ist gut im Themen finden. Im Situationen finden. Im Weiterspinnen einer Idee, die noch nicht rund ist. Man kann sie fragen: Wie würdest du das machen? Was ginge da noch? Dafür ist sie ein brauchbarer Gesprächspartner.

    Und sie ist gut in der Grammatik. Ich denke unsortiert und ich spreche unsortiert — da hilft mir jemand, der Ordnung reinbringt und Kommas an die richtige Stelle setzt.

    Aber: Meine ersten Ideen mache ich immer selbst. Immer. Da lasse ich niemanden ran.

    Wo sie nicht hinkommt

    Eine Maschine kann nicht wissen, wie ein Saal tickt. Woher auch. Das weiß nur der, der selbst da oben steht — der seine Gags kennt, die Dramaturgie im Kopf hat und mitten im Satz umschalten kann, wenn er merkt, dass es nicht zündet.

    Und das Timing. Eine Maschine kann dir anzeigen, wo eine Pause hingehört. Aber die Pause selbst ist Fingerfertigkeit. Die lernt man nur, indem man es hundertmal falsch macht.

    Alles, was in meinen Reden steht, ist erlebt oder beobachtet. Jedes Mal. Die Maschine benutze ich als Ideengeber, wenn ich feststecke — nicht als Schreiber.

    Würde das Publikum es merken?

    Ich glaube: ja.

    Und zwar nicht am Text. Sondern daran, dass die Figur fehlt. Was eine Büttenrede trägt, ist nicht in erster Linie, was da steht — es ist der Mensch, der es verkörpert. Der Text hat einen kleineren Anteil am Erfolg, als die meisten denken.

    Wer sich einen Text geben lässt, hat einen Text. Aber er hat keine Figur. Und das sieht man von der dritten Reihe aus.

    Ist das Betrug?

    Nein. So würde ich das nicht nennen.

    Aber es ist etwas anderes. Es ist wie beim Bäcker: Der eine knetet den Teig mit den Händen, der andere schiebt Tiefgekühltes in den Ofen und wärmt es auf. Beides ist Brot. Man schmeckt trotzdem, welches von beiden man vor sich hat.

    Was ich einem Neunzehnjährigen sage

    Wenn du zum ersten Mal in die Bütt willst: Lass die Finger davon. Außer beim Korrigieren.

    Nicht, weil es verboten wäre. Sondern weil du dir sonst etwas wegnimmst. Lern das Handwerk von Grund auf. Das kostet Zeit, viel Zeit, das gebe ich zu. Aber wer es einmal kann, der kann später auch mit einer Maschine arbeiten — und weiß dann genau, wo er von Hand eingreifen muss.

    Wer es nie gelernt hat, merkt nicht einmal, dass etwas fehlt.

    Und wenn wir es alle tun?

    Dann wird es langweilig. Sehr langweilig.

    Warum wir überhaupt danach greifen

    Der eigentliche Grund ist nicht die Technik. Es ist die Zeit.

    Wir sind darauf trainiert, dass alles sofort da sein muss. Das Paket am nächsten Tag vor der Tür. Die Antwort im Messenger in drei Minuten. Zwischendurch noch schnell bei Instagram und bei YouTube schauen. Wir nehmen uns nichts mehr vor, das lange dauert.

    Es gibt einen alten lateinischen Spruch:
    “Per aspera ad astra“ — durch Mühsal zu den Sternen.
    Durch die Mühe. Nicht drumherum.

    Die Maschine gaukelt uns vor, wir könnten uns die Mühe sparen. Im Augenblick stimmt das sogar. Auf lange Sicht sparen wir gar nichts — wir verlieren nur die Jahre, in denen wir es hätten lernen können.


    Wenn du selbst anfangen willst: In der HumorWerkstatt liegen die Werkzeuge, mit denen ich arbeite. Eine Schablone für den Aufbau, ein Archiv zum Nachschlagen, ein Ideenspeicher — und Leute, die dir sagen, wenn eine Stelle nach nichts schmeckt.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Kannst du bis Samstag noch was machen?

    Kannst du bis Samstag noch was machen?

    Die Tanzgruppe hatte einen Tanz mehr im Programm. Also brauchte sie länger zum Umziehen und Umschminken. Und da kam jemand auf mich zu:

    Du, kannst du da nicht noch was machen? Fünf Minuten reichen.

    Das ist mir nicht nur einmal passiert. Und ich glaube, die Leute meinen es nicht böse. Sie stellen es sich einfach so vor: Der hat doch Reden im Schrank. Der nimmt eine raus, schaut kurz drüber, und dann geht er hoch.

    So ist es nicht

    An einer Rede sitze ich Wochen. Manchmal Monate.

    Das ist keine Angeberei, sondern eine Aufzählung: Erst braucht es eine Figur — wer bin ich da oben, warum stehe ich hier, was treibt diese Person um. Dann ein Thema, das trägt. Dann die Einfälle, die dazu passen, aus einem Vorrat, den man das ganze Jahr über sammelt. Dann ein Aufbau, der nicht in der Mitte durchhängt. Dann Übergänge, die keine Nähte sind.

    Und dann fängt das Kürzen an. Und das Umstellen. Und das laute Lesen, bei dem man merkt, dass ein Satz, der auf dem Papier gut aussah, im Mund stolpert.

    Woher die Vorstellung kommt

    Ich glaube, das liegt daran, dass niemand uns arbeiten sieht.

    Bei den Tanzgruppen kann man das. Da wird über Monate geprobt, öffentlich, jede Woche. Man sieht, wie eine Choreografie entsteht, geändert, verworfen und neu gebaut wird. Alle im Verein wissen, was das an Arbeit ist.

    Ein Büttenredner sitzt allein am Küchentisch. Was man von ihm sieht, sind die elf Minuten auf der Bühne. Der Rest ist unsichtbar.

    Und weil er unsichtbar ist, wirkt er wie nicht vorhanden.

    Ein Wort zur Ehrlichkeit

    Ich will mich nicht besser machen, als ich war. Ich habe selbst unter Druck gearbeitet — im November angefangen, dann lag das Ganze eine Weile, und vierzehn Tage vor dem ersten Auftritt packte mich die Panik. Dann saß ich stundenlang dran.

    Ich brauchte diese Deadline. Das war mein Weg, und ich empfehle ihn niemandem.

    Aber selbst so waren es Wochen. Nur eben zusammengedrängte.

    Was man daraus machen kann

    1. Sammle das ganze Jahr über. Wer im Oktober bei null anfängt, hat es schwer. Wer einen Vorrat hat, sucht nur noch aus.
    2. Fang bei der Figur an, nicht beim Witz. Aus einer klaren Bühnenfigur kommen die Einfälle fast von allein. Umgekehrt funktioniert es selten.
    3. Und wenn dich jemand fragt, ob du „mal eben“ was machen kannst: Sag ruhig, wie lange du wirklich brauchst. Nicht patzig — nur ehrlich. Die meisten wissen es einfach nicht.

    In der HumorWerkstatt liegt für diese Wochen das Werkzeug bereit: ein Ideenspeicher fürs ganze Jahr und eine Schablone, die den Aufbau sichtbar macht. Damit dauert es immer noch, aber es fühlt sich nicht mehr nach Blindflug an.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

  • Wer bist du da oben?

    Wer bist du da oben?

    Wenn mir jemand seinen Text zeigt, frage ich nie zuerst nach dem Text.

    Ich frage: Wer bist du da oben?

    Warum diese Frage vor allen anderen kommt

    Ich habe als Gast in vielen Vereinen gesessen und dabei etwas beobachtet, das mich lange beschäftigt hat.

    Da kam jemand auf die Bühne, hervorragend kostümiert, mit guten Requisiten, einem starken Entree — nach dreißig Sekunden hatte er den Saal. Und dann, nach ein paar Minuten, wurde das Publikum unruhig.

    Woran lag das? Die Gags waren nicht schlechter geworden. Der Text war nicht schwächer.

    Es lag daran, dass niemand mehr wusste, wer da redet.

    Eine Figur ist mehr als ein Kostüm

    Das Kostüm ist der äußere Teil, und der ist schnell besorgt. Die Figur ist das, was darunter steckt: Wer ist dieser Mensch? Warum steht er hier oben? Worüber regt er sich auf, und warum ausgerechnet darüber? Was würde er nie sagen?

    Ich habe viele Jahre lang einen Wutbürger gespielt. Der war für mich eine Schablone — ich wusste bei jedem Thema sofort, wie er darauf reagiert. Und das Publikum wusste es auch, sobald ich angesagt wurde.

    Das ist der eigentliche Nutzen einer klaren Figur: Sie beantwortet Fragen, bevor sie gestellt werden. Und sie spart dir das Erklären, das im Entree so viel Zeit frisst.

    Aus der Figur kommen die Einfälle

    Der zweite Grund ist praktischer Natur.

    Wer beim Witz anfängt, hat einen Witz. Wer bei der Figur anfängt, hat eine Quelle.

    Frag deine Figur, was sie zum Bürgermeister sagt. Zur Bahn. Zu ihrer Schwiegermutter. Zum neuen Formular vom Amt. Wenn die Figur klar ist, hast du nach einer halben Stunde zwanzig Ansätze — und drei davon taugen.

    Umgekehrt funktioniert es selten. Aus einem guten Witz wird selten eine Figur.

    Drei Fragen, mit denen du anfängst

    1. Wer ist das? Beruf, Alter, Lebenslage. Je konkreter, desto besser. „Ein Rentner“ ist zu wenig. „Ein Rentner, der seit vierzig Jahren im selben Betrieb war und den neuen Chef nicht versteht“ ist eine Figur.
    2. Was regt sie auf? Und zwar so, dass es die Leute im Saal kennen.
    3. Was ist ihr blinder Fleck? Das ist der wichtigste Punkt. Eine Figur wird komisch, wenn sie etwas nicht sieht, das alle anderen sehen.

    Und wenn die Figur ausgelutscht ist?

    Dann lässt man sie gehen. Mein Wutbürger hat viele Jahre getragen, irgendwann war er verbraucht — für mich und fürs Publikum.

    Das ist kein Scheitern. Eine Figur hat eine Lebensdauer wie ein Kostüm. Wenn du merkst, dass du dich selbst langweilst, merkt es der Saal auch.


    In der HumorWerkstatt gibt es einen eigenen Platz für die Bühnenfigur — direkt neben dem Arbeitsplatz, an dem du deine Rede baust. Damit du beim Schreiben immer siehst, wer da eigentlich redet.

    Keine Schule. Eine Werkstatt.

    Und warum du trotzdem zuerst mit der Figur anfangen solltest statt mit dem Witzesammeln — und wie aus ihr die Gags von allein herausfallen: Die meisten fangen am falschen Ende an