Kann eine KI nicht meine nächste Büttenrede schreiben?

Ein Nachtschreibtisch: links ein aufgeklappter Laptop mit kühl blau leuchtendem Bildschirm, rechts ein Stapel handbeschriebener Manuskriptseiten unter einer warmen Schreibtischlampe.

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Die Frage kommt inzwischen fast bei jedem Gespräch. Und weil ich sie selbst hatte, habe ich es ausprobiert.

Nicht heimlich, sondern als Versuch: Geht das überhaupt? Kann eine Maschine eine komplette Büttenrede schreiben?

Was dabei herauskam

Ich habe zwei von den bekannten Programmen genommen und ihnen alles gegeben, was ich hatte. Das Thema. Was die Figur erleben soll. Wo es lustig werden muss.

Nach ein paar Sekunden lag der Text da. Die Geschwindigkeit hat mich ehrlich beeindruckt. Da sitze ich sonst Wochen dran.

Dann habe ich ihn gelesen.

Und dachte: oh Gott.

Es ist schwer zu beschreiben, was fehlte. Es war nichts falsch. Die Reime stimmten, der Aufbau ging in Ordnung. Es war nur — nichts. Kein Gefühl. Nichts, was einen vom Stuhl haut. Nichts, wo ich als Zuschauer gesagt hätte: Das war eine Rede.

Es war einfach langweilig.

Die Suppe ohne Gewürz

Wenn ich es einem erklären müsste, würde ich es so sagen: Es ist wie eine Suppe, die man kocht und dann die Gewürze vergisst. Alles drin, was reingehört. Und trotzdem schmeckt es nach nichts.

Was fehlt, ist die Emotion. Ein Rechner arbeitet mit null und eins, ja und nein. Die Zwischentöne kennt er nicht. Das, was zwischen den Zeilen passiert — im Denken, im Sprechen, im Handeln. Das kann bis heute nur ein Mensch.

Was die Maschine wirklich gut kann

Und jetzt muss ich fair sein, denn ich benutze sie selbst.

Sie ist gut im Themen finden. Im Situationen finden. Im Weiterspinnen einer Idee, die noch nicht rund ist. Man kann sie fragen: Wie würdest du das machen? Was ginge da noch? Dafür ist sie ein brauchbarer Gesprächspartner.

Und sie ist gut in der Grammatik. Ich denke unsortiert und ich spreche unsortiert — da hilft mir jemand, der Ordnung reinbringt und Kommas an die richtige Stelle setzt.

Aber: Meine ersten Ideen mache ich immer selbst. Immer. Da lasse ich niemanden ran.

Wo sie nicht hinkommt

Eine Maschine kann nicht wissen, wie ein Saal tickt. Woher auch. Das weiß nur der, der selbst da oben steht — der seine Gags kennt, die Dramaturgie im Kopf hat und mitten im Satz umschalten kann, wenn er merkt, dass es nicht zündet.

Und das Timing. Eine Maschine kann dir anzeigen, wo eine Pause hingehört. Aber die Pause selbst ist Fingerfertigkeit. Die lernt man nur, indem man es hundertmal falsch macht.

Alles, was in meinen Reden steht, ist erlebt oder beobachtet. Jedes Mal. Die Maschine benutze ich als Ideengeber, wenn ich feststecke — nicht als Schreiber.

Würde das Publikum es merken?

Ich glaube: ja.

Und zwar nicht am Text. Sondern daran, dass die Figur fehlt. Was eine Büttenrede trägt, ist nicht in erster Linie, was da steht — es ist der Mensch, der es verkörpert. Der Text hat einen kleineren Anteil am Erfolg, als die meisten denken.

Wer sich einen Text geben lässt, hat einen Text. Aber er hat keine Figur. Und das sieht man von der dritten Reihe aus.

Ist das Betrug?

Nein. So würde ich das nicht nennen.

Aber es ist etwas anderes. Es ist wie beim Bäcker: Der eine knetet den Teig mit den Händen, der andere schiebt Tiefgekühltes in den Ofen und wärmt es auf. Beides ist Brot. Man schmeckt trotzdem, welches von beiden man vor sich hat.

Was ich einem Neunzehnjährigen sage

Wenn du zum ersten Mal in die Bütt willst: Lass die Finger davon. Außer beim Korrigieren.

Nicht, weil es verboten wäre. Sondern weil du dir sonst etwas wegnimmst. Lern das Handwerk von Grund auf. Das kostet Zeit, viel Zeit, das gebe ich zu. Aber wer es einmal kann, der kann später auch mit einer Maschine arbeiten — und weiß dann genau, wo er von Hand eingreifen muss.

Wer es nie gelernt hat, merkt nicht einmal, dass etwas fehlt.

Und wenn wir es alle tun?

Dann wird es langweilig. Sehr langweilig.

Warum wir überhaupt danach greifen

Der eigentliche Grund ist nicht die Technik. Es ist die Zeit.

Wir sind darauf trainiert, dass alles sofort da sein muss. Das Paket am nächsten Tag vor der Tür. Die Antwort im Messenger in drei Minuten. Zwischendurch noch schnell bei Instagram und bei YouTube schauen. Wir nehmen uns nichts mehr vor, das lange dauert.

Es gibt einen alten lateinischen Spruch:
“Per aspera ad astra“ — durch Mühsal zu den Sternen.
Durch die Mühe. Nicht drumherum.

Die Maschine gaukelt uns vor, wir könnten uns die Mühe sparen. Im Augenblick stimmt das sogar. Auf lange Sicht sparen wir gar nichts — wir verlieren nur die Jahre, in denen wir es hätten lernen können.


Wenn du selbst anfangen willst: In der HumorWerkstatt liegen die Werkzeuge, mit denen ich arbeite. Eine Schablone für den Aufbau, ein Archiv zum Nachschlagen, ein Ideenspeicher — und Leute, die dir sagen, wenn eine Stelle nach nichts schmeckt.

Keine Schule. Eine Werkstatt.

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