Die Tanzgruppe hatte einen Tanz mehr im Programm. Also brauchte sie länger zum Umziehen und Umschminken. Und da kam jemand auf mich zu:
Du, kannst du da nicht noch was machen? Fünf Minuten reichen.
Das ist mir nicht nur einmal passiert. Und ich glaube, die Leute meinen es nicht böse. Sie stellen es sich einfach so vor: Der hat doch Reden im Schrank. Der nimmt eine raus, schaut kurz drüber, und dann geht er hoch.
So ist es nicht
An einer Rede sitze ich Wochen. Manchmal Monate.
Das ist keine Angeberei, sondern eine Aufzählung: Erst braucht es eine Figur — wer bin ich da oben, warum stehe ich hier, was treibt diese Person um. Dann ein Thema, das trägt. Dann die Einfälle, die dazu passen, aus einem Vorrat, den man das ganze Jahr über sammelt. Dann ein Aufbau, der nicht in der Mitte durchhängt. Dann Übergänge, die keine Nähte sind.
Und dann fängt das Kürzen an. Und das Umstellen. Und das laute Lesen, bei dem man merkt, dass ein Satz, der auf dem Papier gut aussah, im Mund stolpert.
Woher die Vorstellung kommt

Ich glaube, das liegt daran, dass niemand uns arbeiten sieht.
Bei den Tanzgruppen kann man das. Da wird über Monate geprobt, öffentlich, jede Woche. Man sieht, wie eine Choreografie entsteht, geändert, verworfen und neu gebaut wird. Alle im Verein wissen, was das an Arbeit ist.
Ein Büttenredner sitzt allein am Küchentisch. Was man von ihm sieht, sind die elf Minuten auf der Bühne. Der Rest ist unsichtbar.
Und weil er unsichtbar ist, wirkt er wie nicht vorhanden.
Ein Wort zur Ehrlichkeit
Ich will mich nicht besser machen, als ich war. Ich habe selbst unter Druck gearbeitet — im November angefangen, dann lag das Ganze eine Weile, und vierzehn Tage vor dem ersten Auftritt packte mich die Panik. Dann saß ich stundenlang dran.
Ich brauchte diese Deadline. Das war mein Weg, und ich empfehle ihn niemandem.
Aber selbst so waren es Wochen. Nur eben zusammengedrängte.
Was man daraus machen kann
- Sammle das ganze Jahr über. Wer im Oktober bei null anfängt, hat es schwer. Wer einen Vorrat hat, sucht nur noch aus.
- Fang bei der Figur an, nicht beim Witz. Aus einer klaren Bühnenfigur kommen die Einfälle fast von allein. Umgekehrt funktioniert es selten.
- Und wenn dich jemand fragt, ob du „mal eben“ was machen kannst: Sag ruhig, wie lange du wirklich brauchst. Nicht patzig — nur ehrlich. Die meisten wissen es einfach nicht.
In der HumorWerkstatt liegt für diese Wochen das Werkzeug bereit: ein Ideenspeicher fürs ganze Jahr und eine Schablone, die den Aufbau sichtbar macht. Damit dauert es immer noch, aber es fühlt sich nicht mehr nach Blindflug an.
Keine Schule. Eine Werkstatt.


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