Es gibt einen Moment, in dem eine Bütt kippt. Nicht, weil sie schlecht ist — sondern weil sie zu gut läuft.
Wie es dazu kam
Die Rede lief. Richtig gut sogar. Das Publikum ging Zeile für Zeile mit, an jeder Stelle kam, was kommen sollte, und dazwischen noch ein bisschen mehr. Wer das kennt, weiß, wie das ist: Man steht da oben und merkt, dass es trägt.
Und dann habe ich meinem Affen Zucker gegeben.
Ich stand neben der Bütt. Warum auch immer legte ich mein rechtes Bein auf die Kante. Ein Bein auf der Bühne, das andere oben auf der Bütt.
Der Gag zündete. Der Saal lachte.
Dann kam mir ein Gedanke, der mit der Rede nichts mehr zu tun hatte: Wie komme ich hier eigentlich wieder runter?

Die Antwort war: gar nicht. Jedenfalls nicht allein. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis der Elferrat begriff, dass ich da oben nicht aus Übermut stehen blieb, sondern weil es nicht anders ging.
Was da eigentlich passiert ist
Der Fehler war nicht das Bein. Der Fehler war der Gedanke davor.
Eine Rede, die läuft, macht übermütig. Man spürt den Saal, man hat das Gefühl, alles zu können — und genau in diesem Moment verlässt man den Text. Man macht etwas, das nicht geplant war.
Das ist manchmal großartig. Die besten Momente auf der Bühne sind oft die ungeplanten.
Aber der Text war ja der Grund, warum es lief. Er hat den Saal dahin gebracht, wo er war. Wer ihn ausgerechnet im Erfolgsmoment verlässt, sägt an dem Ast, auf dem er gerade sitzt. Oder legt eben ein Bein auf die Bütt.
Der Unterschied zwischen Improvisation und Übermut
Improvisieren ist erlaubt. Man muss es sogar können — ein Zwischenruf, ein Missgeschick im Saal, ein Lacher an unerwarteter Stelle: Das lässt sich nicht planen.
Aber jede Improvisation braucht einen Rückweg. Man muss wieder in den Text hineinkommen, und man muss wissen, an welcher Stelle.
Bei meinem Bein gab es keinen Rückweg. Ich hatte etwas getan, aus dem ich nicht mehr herauskam — körperlich und dramaturgisch.
Drei Dinge, die helfen
- Schreib auf, wo du improvisiert hast. Gleich nach dem Auftritt. Was funktioniert hat, gehört beim nächsten Mal in den Text — dann ist es kein Zufall mehr, sondern Handwerk.
- Frag dich vorher: Wie komme ich hier wieder raus? Bei jedem Einfall, den du oben auf der Bühne hast. Das dauert eine halbe Sekunde und hat mir seitdem einiges erspart.
- Nimm den Erfolg als Signal zum Weitermachen, nicht zum Draufsatteln. Wenn es läuft, ist der beste Zug: genau so weiter.
Was davon geblieben ist
Der Gag ist bei den Leuten hängen geblieben, das muss ich zugeben. Über den Abgang wurde noch Jahre geredet.
Und ich fahre heute nur noch Fahrrad mit Tiefeinstieg, weil ich das rechte Bein nicht hoch bekomme.
Gib deinem Affen immer nur dosiert Zucker, wenn das Fell mal juckt.
In der HumorWerkstatt tauschen wir solche Geschichten aus — und das, was man daraus mitnimmt. Vierzehn Tage kannst du dich kostenlos umsehen.
Keine Schule. Eine Werkstatt.


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