Der Bütt-Arbeitsplatz: alles an einem Tisch

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Jahrelang habe ich meine Reden in einem Textprogramm geschrieben. Der Ordner mit den Zetteln lag daneben, die Ideen auf dem Küchentisch, und die Frage, wer da oben eigentlich redet, hatte ich irgendwann im Kopf — oder eben nicht.

Dann geht das los: Text schreiben, aufstehen, Ordner holen, blättern, nichts finden, weiterschreiben. Nach dem dritten Mal lässt man es und schreibt eben ohne.

Ein Vorrat, den man beim Schreiben nicht in Reichweite hat, wird nicht benutzt. Das ist der Satz, um den sich in der Werkstatt alles dreht — und der Grund, warum es den Bütt-Arbeitsplatz gibt.

Drei Spalten, ein Bildschirm

Links steht, wer redet. In der Mitte entsteht die Rede. Rechts steht, wohin sie soll. Kein Hin- und Herklicken mehr.

Erst der Kopf: Titel, Termin, Länge

Ein Arbeitstitel — der begleitet das ganze Projekt und wird beim Speichern zum Ordnernamen in der Cloud. Dazu dein Name und ein Zieldatum mit Countdown. Unbequem, aber ehrlich; ich brauchte solche Fristen selbst immer.

Dann die Länge: Kurz etwa 8 Minuten, Mittel etwa 11, Lang etwa 15. Danach richten sich die Zähler darunter. Bei „Mittel“ steht dort zum Beispiel:

  • 0 / 1100 Wörter
  • 0 / 18 Pointen
  • geschätzte Redezeit

Achtzehn Pointen auf elf Minuten. Das ist kein Gesetz, aber es ist ein ehrlicher Maßstab. Wer beim Schreiben sieht, dass er bei vier steht, weiß Bescheid — und zwar am Küchentisch und nicht im Saal.

Der Wecker, den ich am meisten benutze

Ganz oben sitzt ein kleiner Zeitgeber: 25, 40 oder 60 Minuten — oder eine Zahl, die du selbst einträgst. Start drücken, schreiben. Am Ende meldet er sich.

Das klingt nach Kleinigkeit und ist keine. Ich bin Schichtarbeiter. Wenn ich nach der Spätschicht noch eine Stunde habe, ist die schneller weg, als man denkt — oder ich sitze um halb drei immer noch da. Eine feste Zeit vorher festzulegen ist die einfachste Art, beides zu vermeiden.

Links: wer bist du da oben?

Oben links steht deine Bühnenfigur. Die legst du einmal an, dann erscheint sie hier von allein:

  • Name, Alter und Lebensphase, Beruf oder Rolle, Herkunft
  • In einem Satz: Wer ist diese Figur?
  • Drei Eigenschaften
  • Was ist ihr wichtig im Leben?
  • Worüber regt sie sich auf?

Die letzte Frage ist die wichtigste. Aus ihr kommen die Themen. Wenn du beim Schreiben ins Stocken gerätst, schaust du nach links und weißt wieder, wer da spricht.

Darunter liegen vier Karten zum Auf- und Zuklappen.

Notizen

Ein Feld für alles, was dir nebenbei einfällt und noch nirgends hingehört.

Meine Witze

Was du im Witze-Board nach Entree, Hauptteil, Schluss und Zugaben sortiert hast, steht hier — nach Teilen getrennt, mit Anzahl. Anklicken zum Lesen, dann „→ in Text einfügen“, und der Witz landet am Ende des passenden Abschnitts.

Es wird nichts überschrieben, es wird angehängt. Du kannst also nichts kaputtmachen.

Whiteboard

Hast du deinen Ablauf vorher mit Klebezetteln skizziert, erscheinen die Punkte hier — von oben nach unten, nummeriert. Auch die übernimmst du einzeln in den passenden Abschnitt. So wird aus der Skizze Schritt für Schritt die geschriebene Bütt.

Ideenspeicher

Ganz unten die Zettel aus deinem Ideenspeicher: Gags, Beobachtungen, Sprüche, alles, was du übers Jahr gesammelt hast. Oben ein Suchfeld — Stichwort eintippen, Zettel anklicken, und dann wählst du, in welchen Abschnitt er soll.

Das ist die Stelle, an der aus dem Sammeln endlich etwas wird.

Die Mitte: da entsteht die Rede

Vier Abschnitte, jeder mit einem Richtwert und einem Satz, der dich daran erinnert, was er leisten soll.

Entree · etwa 10 Prozent

Begrüßen, gern mit einem ersten Gag. Sagen, wer du bist. Das Thema anwerfen — am besten mit einer Frage, die du später beantwortest. Kurz halten.

Hauptteil

Hier steht die Geschichte. Brauchst du mehr als einen, legst du mit einem Klick Hauptteil 2 und 3 an.

Schluss · etwa 15 Prozent

Auflösen, die stärkste Pointe bringen, elegant von der Bühne gehen. Ende mit Schwung, nicht mit Gestammel.

Zugabe · die Reserve

Zwei, drei Konter- oder Notfallwitze. Für den Fall, dass es hakt — oder dass ein Vorredner deinen Gag schon gebracht hat. Zur Redezeit zählen sie nicht.

Diesen letzten Kasten halte ich für den unterschätztesten. Wer schon einmal in der Bütt stand und gemerkt hat, dass der vor ihm dieselbe Pointe hatte, weiß, warum.

Zwei Kleinigkeiten, die viel ausmachen

  • Setz hinter jede Pointe ein Doppelkreuz #. Dann wird sie gezählt. Du siehst schwarz auf weiß, wie viele Pointen in deiner Rede stecken — und ob die Mitte durchhängt.
  • Zwischen den Teilen liegen Überleitungs-Felder. Die kurze Brücke von einem Gag zum nächsten. Kurz und knackig. Im fertigen Manuskript stehen sie an der richtigen Stelle.

Jeder Abschnitt hat außerdem ein eigenes Notizfeld — nur für dich, es kommt nicht ins Manuskript.

Rechts: der rote Faden

Hier hältst du pro Abschnitt in zwei Sätzen fest: Was passiert hier? Wohin steigert sich die Geschichte?

Das ist die Antwort auf das Problem, über das ich an anderer Stelle geschrieben habe — dass die meisten Reden in der Mitte einschlafen. Wenn daneben steht, wohin es gehen soll, passiert das seltener.

Speichern, drucken, weitermachen

Zuerst die beruhigende Nachricht: Deine Arbeit wird automatisch im Browser gesichert. Ein versehentlich geschlossenes Fenster kostet dich nichts.

  • In meiner Cloud speichern — legt die Rede unter „Meine Texte / [Arbeitstitel]“ als Word-Datei ab. Die kannst du dort anklicken und im Editor weiterschreiben.
  • Projekt sichern / Projekt öffnen / Aus der Cloud öffnen — nimmt alles mit: Text, Bühnenfigur, roten Faden und die sortierten Witze. Damit verwaltest du mehrere Bütten getrennt oder arbeitest am anderen Gerät weiter.
  • Im Bühnen-Format drucken — nicht irgendein Ausdruck, sondern eine Fassung, die man auf der Bühne auch lesen kann. Auch als PDF.
  • Als Textdatei speichern und Text kopieren — wenn du woanders weiterarbeiten willst.

Was der Arbeitsplatz nicht macht

Er schreibt dir keine Rede.

Er nimmt dir das Suchen ab, das Blättern und das Aufstehen. Er sorgt dafür, dass dein Vorrat in Reichweite liegt, dass du siehst, wer da redet, und dass du merkst, wenn die Mitte dünn wird.

Das Schreiben bleibt deine Arbeit. Aber du machst sie an einem Tisch statt an vieren.


Der Bütt-Arbeitsplatz gehört zur HumorWerkstatt, zusammen mit dem Witze-Archiv, dem Reimlexikon, dem Ideenspeicher und dem Werkzeug für die Bühnenfigur. Vierzehn Tage kannst du dir alles kostenlos ansehen.

Keine Schule. Eine Werkstatt.

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